Wir wollen, dass die einen kommen und die anderen wegbleiben. Es gibt gute und schlechte Besucher. Gute sind die, die Geld bringen und schlecht sind die, die mit der AK47 hier anreisen. Und wegen denen bewegen sich derzeit Bodenpatrouillen der 16 kanarische Brigade über die Insel, so teilt das Verteidigungsministerium mit. Die Camoulierten sollen die „Überwachung verstärken, potenzielle Bedrohungen abschrecken und die Sicherheit der Inselbevölkerung gewährleisten“, so das Ministerium. Dies sei „Teil des Pakets der Ständigen Operationen, einem der wichtigsten Beiträge der Fuerzas Armadas (FAS) zur nationalen Sicherheit in Friedenszeiten“ heißt es weiter. Das mit den Friedenszeiten ist dann erstmal beruhigend. Allerdings geht es ja nicht nur um Abschreckung. Die Soldaten und Soldatinnen sollen auch das Gelände und die sozialen Gegebenheiten kennen lernen und somit soll eine bessere Verteidigung des Territoriums (Geländekenntnisse) und auch eine bessere Integration der der Soldaten in die lokale Gemeinschaft stattfinden (soziale Realität). Da wir ja gerade im Moment unsere soziale Realität mittels Bajada und drum rum ganz gewaltig am Feiern sind, kommt das sicher den Bürgern in Uniform nicht ganz ungelegen. Da lässt sich doch sicher noch was mitnehmen, nach Dienstschluss. Und diejenigen die nicht zur Veranstaltung dürfen, die können ja solange unter der Pinie durchrobben oder mit dem Fernglas auf den Atlantik schauen, und den Russen suchen. Mit unserer normalen „sozialen Realität“ hat die Bajada aber wenig zu tun, wir befinden uns da eher in einem Ausnahmezustand, schließlich gibt es Schätzungen, dass sich zur Bajada doppelt so viele Menschen auf der Insel befinden, wie „normal“ ist. Aber dem Soldaten sei es eben auch gegönnt, dass er mal dem kasernierten Alltag entfliehen darf.
Während also die einen von der militärischen Präsenz abgeschreckt werden sollen, sollen die anderen doch bitte hierher kommen. Stolz hat man vor kurzen den Anflug von mehreren Maschinen aus Großbritannien in den nächsten Jahren verkündet. In der Zeitung „La Provincia“ gab es nun einen Artikel, der sich auf einen Werbeartikel des Druckerzeugnisses „Sun“ bezieht. Darin wurde La Palma als die tolle Alternative zu Lanzarote beschrieben, was für die, eben weil die Zeitung für die Provinz Las Palmas, zu der auch Lanzarote gehört, eine gewisse Wichtigkeit hat, weil da unter Umständen einige touristische Felle ja die Insel/Provinz wechseln könnten. Dabei muss man verstehen, dass die britische Klatschpresse sehr empfindlich auf die Proteste gegen den Massentourismus auf den Kanaren reagiert. Man fühlt sich da sehr angegriffen, weil man der Ansicht ist, dass das sonnenverbrannte Strandbesäufnis zum Menschenrecht der Briten gehört. Also sucht man sich Alternativen, wenn man auf Lanzarote nicht mehr so willkommen ist, wie gewohnt. Und da kommt nun La Palma ins Spiel und wird als Alternative, für eher abenteuerlich veranlagte Touristen gepriesen. Wilde dunkle Strände, Natur, und ein astreiner Vulkan, der sich da vor kurzem durch die Landschaft gefräst hat. Sogar von der Lava halb aufgefressene Häuser solle es da geben, die man sich, als abenteuerlich veranlagter Besucher gerne mal anschauen kann. Dass so was für die Betroffenen nicht gerade feierlich ist, steht auf einem anderen Blatt, und für die Menschen hier und für viele Stammgäste bedeutet der Komplettverlust von Todoque eben keine Attraktion, sondern stellt ein tragisches Ereignis dar. Die Frage ist ja, ob es in Großbritannien überhaupt so etwas, wie das typische Publikum für La Palma gibt. Sicher auch, aber in entsprechender Stückzahl, dass man da vier Flieger pro Woche, auch im Sommer, voll bekommt wohl eher nicht. Die Frage ist nun aber, ob die Art von Werbung tatsächlich was bringt. Uns fehlt es ja eben an der entsprechenden massentouristischen Infrastruktur, was ja auch gar nicht schlimm ist, sondern eben den Reiz von La Palma ausmacht. Ein Werbeartikel in der Yellowpress wird das sicher nicht nachhaltig ändern und sollten ein paar der Reisenden übrigbleiben und sich in die Insel verlieben, dann ist das ja eher ein Gewinn.