Wir haben einen Brief geschrieben

Der Kanarenpräsident Clavijo hat einen Brief verfasst. Adressat ist das Konsortium, welches das TMT, also das 30-Meter-Super-Duper-Riesen-Fernrohr, errichten will. Darin erzählt unser Präsident den potentiellen Betreibern, dass wir hier alle dafür sind, dass das Teil nach La Palma kommt. Die Regionalregierung verspreche da die volle Unterstützung, auch was die Zusammenarbeit mit dem IAC (Instituto Astrophysico Canarias) und allen anderen internationalen Institutionen, die bereits da oben auf dem Roque in die Ferne schauen, angehen würde. Schon 2019 hat das Kanarenparlament die institutionelle Unterstützung verkündet, aber nun war es wichtig, dass man das den Leutchen nochmal sagt. Die wollen das Ding ja eigentlich auf Hawaii errichten. Die Streitigkeiten mit den Eingeborenen dort, Stichwort „heiliger Berg“ sind nicht beigelegt, aber bislang war man da nicht ab zu bringen. Jetzt kommt da aber ein anderes Hindernis hinzu. Der Orangeschfarbene mit dem Meerschweinchen auf dem Kopf, dreht den Geldhahn zu, schließlich wollen die Steuererleichterungen für seine Kumpels ja finanziert werden. Außerdem muss man auch so ehrlich sein, dass die Geschichte mit den Protesten und der Verzögerung schon Wirkung gezeigt hat. Ursprünglich sollte das TMT ja das größte Spiegelteleskop der Welt werden, aber die Planung geht weiter und mittlerweile wird in Chile ein noch größeres errichtet. Da geben die US-Amerikaner auch Geld zu. Allerdings fehlt so ein Ding auf der Nordhalbkugel, weil es da im All eben andere Dinge zu bestaunen gibt, als im Süden. La Palma war immer der Alternativstandort und trotz der ganzen Probleme, die man bereits hatte, waren wir, auch wenn man es sich immer anders gewünscht hat, nie wirklich ein Thema. Nun könnte sich das aber gerade ändern. Auch weil die spanische Regierung gezuckt hat, und nun 400 Millionen Euro zuschießen will, wenn das Teil bei uns landen sollte. Als es vor vielen Jahren erstmals um die Geschichte ging, war man nur zu 200 Millionen Subventionen bereit. So nahe waren wir wohl noch nie wirklich dran, wie im Moment. Wobei die Presse da immer enthusiastischer war, als die Realität, von der lokalen Politik ganz zu schweigen. Von „Enthusiasmus“ schreibt auch Cavijo in seinem Brief. Wir wollen alle unbedingt, und wenn man ehrlich ist, dann wäre da eine prima Sache. Die Konstruktion und der Betrieb schaffen Arbeitsplätze und, das darf man nie vergessen, wir reden hier von hochqualifizierten Stellen, was der eigenen Jugend schon ganz andere Möglichkeiten gibt, eine Zukunft auf der eigenen Insel anzustreben. Kariere macht man hier bislang nur als Politiker oder Unternehmerkind.

Das Konsortium hat sich auch schon zu Wort gemeldet, und man möchte das Angebot prüfen. Allerdings hört sich das dann eben, bei aller Euphorie die hier gerade herrscht, dann doch wieder etwas reservierter an. „Obwohl noch keine endgültige Entscheidung gefallen ist, prüfen wir den Vorschlag sorgfältig und freuen uns auf die Fortsetzung des Dialogs mit unseren spanischen Kollegen. Wir setzen uns weiterhin für den geeignetsten Standort für das TMT ein und werden das spanische Angebot umfassend und zügig prüfen.“, heißt es von Seiten der Wissenschaftler. Als den geeignetsten Standort hat man aber ja bereits Hawaii ausgewählt, und man möchte sich dafür einsetzen. Und eine umfassende aber auch „zügige“ Prüfung hört sich dann halt nicht wirklich ergebnisoffen an. Das Wort „zügig“ lässt einen eben auch befürchten, dass das Ergebnis im Prinzip schon klar ist. Aber Bangemachen gilt nicht und Träumen bleibt erlaubt. Vielleicht sollte man da generell mal schauen, ob man nicht noch EU-Kohle in das Angebot mit reinpacken könnte. Schließlich spekuliert man ja ein wenig mit dem Brauntrain Richtung Europa.