Zahlen bitte!

Wenn wir hier auf La Palma mit Daten konfrontiert werden, dann muss man im Normalfall immer genau hinschauen, wer die veröffentlicht. Da gibt es dann die politisch eingefärbten Geschichten, nachdem die momentan Regierenden, anhand einer Statistik hervorheben, wie toll doch gerade alles laufen würde, und wie gut sie den Laden im Griff hätten, ganz im Gegensatz zu ihren, nun in die Opposition verbannten Vorgänger. Andere Daten die wir bekommen und deren Überschrift in den Zeitungen auf den ersten Blick immer sehr objektiv wirken, sind noch interessengetriebener oder zumindest unvollständiger, weil diese häufig von Verbänden stammen. Wenn man sich dann nur die Überschrift anschaut, dann bekommt man einen völlig falschen Eindruck. Gleich zwei Beispiele dafür wurden in den letzten Tagen veröffentlicht. So sind zum einen die Daten von Ashotel, dem Hotelverband für die Provinz Teneriffa. Wichtig dabei ist zu verstehen, dass die Daten nur von Einrichtungen stammen, die bei denen Mitglied sind und auch die Daten geliefert haben, was bei einer Struktur wie La Palma, mit den vielen kleinen Ferienhäusern, wahrscheinlich weiter von der Realität entfernt ist, wie auf Teneriffa mit den vielen Hotels. Aber man verkündet uns für den Monat Juli dennoch ein Wachstum. Die Auslastung der Betten lag im Juli bei 65,6% was eben mehr ist, als im Vorjahr mit 63%. Wer nun denkt, dass es hier im Sommer touristisch aufwärts geht, der macht allerdings seine Rechnung ohne die Jungfrau. Da waren und sind ja immer noch Veranstaltungen, die Volk von außerhalb, vor allem von den anderen Inseln anziehen. Die eingeschneite Heilige kommt ja nur alle 5 Jahre vorbei und beim letzten mal ist die Geschichte Pandemie bedingt ausgefallen. Wenn man aber nun die Zahlen ansieht, die nach der eigentlichen Bajada in der Hauptwoche vom 6.-13.Juli vorliegen, dann sind wir mit einer Auslastung von nur noch 53,4% weit unter den Daten des Vorjahres, obwohl es noch Riesige Konterte und tanzende Zwerge gab, die auch viel Volk von außerhalb angezogen haben. Dass der Sommer hier ruhiger ist, daran sind wir mittlerweile gewohnt, und vielleicht tut einem das Durchatmen dann doch ganz gut, bevor es ab Mitte Oktober wieder losgeht. Viele waren die letzten 3 Jahre etwas verwöhnt, mit Gästen vom Festland, denen man den Vulkan als Attraktion verkauft hat, mittlerweile ist diese Attraktion aber verblasst. Natürlich brauchen wir hier Gäste, weil wir davon leben. Aber da wir nun 4 Tage Familienurlaub auf Teneriffa hinter uns haben, sind wir wieder gewaltig geerdet und wissen umso mehr, was wir hier wirklich haben.

Zahlen liefert auch der Arbeitgeberverband (Fedepalma) für zweite Trimester. Und dabei ist eben auch zu beachten, dass es sich um die Arbeitgeber handelt, die Geschichte also nicht objektiv sein kann. Laut denen, sieht die Geschichte „gemischt“ aus. Man betont die Fortschritte der Beschäftigungsfront, die Zahlen der Arbeitslosen seien weiter zurückgegangen. Jammern muss man aber auch. Und da kommen wir direkt zum Tourismus. Dieser war im zweiten Quartal nämlich rückläufig, so behaupten die Arbeitgeber. Der „Hotelklimaindex“ (was auch immer das genau bedeuten soll) sank in im zweiten Quartal um 29% im Vergleich zu 2024 im selben Zeitraum. Die Prognosen sehen also seitens der Arbeitgeber nicht gut aus. Da wir hier an der touristischen Nadel hängen, singt der komplette Geschäftsklimaindex auch um 4,3% im vergleich zum Vorjahr. In die andere Richtung geht das Baugewerbe. Der Absatz von Zement steigt auf ein Rekordlevel, schließlich müssen wir hier noch weiter Wohnraum schaffen. Deswegen kommt der Verband zu dem Schluss, dass La Palma, im Großen und Ganzen dann doch recht stabil dastehen würde. Schaut man aber mal die Geschichte mit den Arbeitsplätzen an, dann haben wir auf La Palma weiterhin ein massives Problem. Industrie haben wir nicht, nur Tourismus und Landwirtschaft. Und deshalb liegt La Palma auch ganz vorne, wenn es darum geht, dass junge Menschen die Insel verlassen um ihr Leben woanders zu planen. Die Jobs, die es hier gibt, sind nämlich, glaubt man der Einschätzung von Florisela Rodríguez, Arbeitsrechtlerin und ehemalige Inselsekretärin der nicht mehr existierenden Partei „Más Canarias“, nicht wirklich was wert. Man habe hier eine Wirtschaftsstruktur wir vor 50-60 Jahren meint die linke Politikerin. Die Arbeitsstellen, die es hier gab, seien, in Verbindung mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten, vor allem im Bereich Wohnen, nicht attraktiv. Junge Menschen würden nach dem Studium nicht zurückkehren, weil es hier keine Möglichkeiten für gut ausgebildete geben würde. Der momentan regierenden Coalicion Canarias wirft die Anwältin vor, sich nicht wirklich um subventionierten Wohnraum zu kümmern, sondern vor allem die Bauindustrie zu fördern, anstatt Geld in Beihilfen zu stecken. Auch den Einkommenssteuernachlass von 60% nimmt sie sich vor. Vor allem würden die Leute, die sowieso viel verdienen, davon profitieren, und eben nicht die breite Bevölkerung. Während also der Arbeitgeberverband sagt, dass im Prinzip alles in Butter sei, wenn auch nicht ganz toll, kommt die Arbeitnehmeranwältin zu dem Schluss, dass hier gar nichts funktionieren würde. Wobei die Aussagen von einer „stabilen“ Wirtschaft und einer „Wirtschaft wie vor 50 Jahren“ ja gar nicht im Widerspruch zueinander stehen. Nur die Bewertung ist eben unterschiedlich