Neuer Wohnraum

Wir haben hier ein Wohnungsproblem. Der Kaufpreis ist viel zu hoch und die Mieten entsprechend auch. Die Sache ist viel komplizierter. Als man sich das gemeinhin vorstellt, weil die Gründe vielfältiger sind.  Diese Vielfältigkeit macht die Geschichte natürlich super bequem, weil man im Zweifelsfall immer den anderen die Schuld dafür geben kann, dass es diesen Mangel gibt. Da haben wir zum einen die Ferienhäuser, die häufig ertragreicher sind, als „normale“ Mietobjekte, dann haben wir aber auch noch den Vulkan, der vieles verschüttet hat, und natürlich noch die ganzen auswärtigen, die sich hier unbedingt einen Zweitwohnsitz zulegen wollen, weil sie gar nicht wissen wohin mit der Mitteleuropäischen Kohle und außerdem steigen die Preise ja weiter und dann ist das ja auch noch prima angelegt.  Diejenigen, die nun die Buden für enorme Summen an die Investoren verkaufen, tragen da mindestens die selbe Verantwortung für die Preisexplosionen. Wer jetzt argumentiert, dass so halt der Kapitalismus funktioniert, muss dann eben auch anerkennen, dass der dann einer Gesellschaft auch durchaus Schaden kann. Dabei geht es uns auf La Palma noch verhältnismäßig gut, was die Geschichte mit dem Wohnungsmangel betrifft. Dass man es in Spanien generell in den letzten Jahren vergeigt hat, was den sozialen Wohnungsbau angeht, kommt da obendrauf. Wir sind da im internationalen Vergleich arg weit hinten. Das oft leidvolle Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter spielt da auch mit rein. Von den Besitzenden wird gerne über die Mietnomaden gesprochen. Im Gegenzug muss man aber auch wiederum die Zustände der vermieteten Unterkünfte betrachten. Und wenn der Mieter eine Renovierung anmahnt, dann wird er aufgefordert das selber zu machen. Ansonsten könne er sich ja was anderes suchen. Dank des Mangels stehen die Leute Schlange. Dabei haben wir effektiv gar keinen Mangel an Behausungen, sondern einen Leerstand, der sich gewaschen hat. Vor 3 Jahren hat man, anhand der Stromdaten festgestellt, dass alleine in El Paso mehr als 1.000 Wohneinheiten leerstehen würden. Auch hier sind die Gründe Mannigfaltig. Häufig sind die Eigentumsverhältnisse nicht geklärt, und einer der 35 Erben ist in Venezuela und ohne eine Unterschrift von dem, kann das Haus nicht verkauft und nicht vermietet werden. Dann spielt häufig noch eine gewisse Sentimentalität eine Rolle. Oma hat mir das Häuschen vermacht, ich benötige es nicht, alldieweil ich ein eigenes habe, aber vielleicht irgendwann mal jemand aus der Familie. Da kann die Hütte ja nicht vermietet sein, das gibt nur Probleme.

Wie wir als Gesellschaft aus dem Problem rauskommen, dazu gibt es verschiedene Ansichten. Die einen tendieren in Richtung Fremdenfeindlichkeit und schimpfen auf alles was nicht von hier ist, seien es reiche Mitteleuropäer oder gar Flüchtlinge, die anderen werden in ihren Ideen konstruktiver und kommen mit Ideen um die Ecke, dass die Verwaltung das System von subventioniertem Wohntraum umstellen sollte. Anstatt Sozialwohnungen zu bauen gibt es den nichtgehörten Vorschlag, dass die Miete für Bedürftige übernommen wird, weil dann der Vermieter auch eine Garantie seiner Einnahmen hätte, und es so leichter fallen würde das Haus doch auf den Markt zu geben. Alternativ könnte man auch Teile des Bestandes aufkaufen, man müsste dann aber auch Werbung für so einen Kauf machen, und die Leute auf ihre gesellschaftliche Verantwortung aufmerksam machen. Das Cabildo hat nun aber zumindest einen Schritt in die entsprechende Richtung unternommen, und ganz subtil teilt man mit, um was es eigentlich geht. Man lässt eine Million Euronen springen, um die Renovierung von Landhäusern zu subventionieren. Bei Kosten von bis zu 60.000 Euro schießt die Inselregierung bis zu 50% zu. Bei kleineren Renovierungen ist sogar eine komplette Übernahme möglich. Wer nun aber denkt, dass er sich seinen alten Pajero auf Kosten der Allgemeinheit auf Vordermann bringen kann, der ist falsch gewickelt. Zum einen müssen die Bauarbeiten binnen 15 Monaten nach Antragsstellung abgeschlossen sein, und zum anderen muss die Bude danach mindestens für 5 Jahre fest vermietet werden. Mit dem Werbeplakat „Da Vida a una casa! Da hogar a una familia!” (Gib einen Haus Leben! Gib einer Familie ein Dach über dem Kopf!) macht man recht deutlich, um was es dabei geht. Nicht darum, dass die mit dem fähigen Steuerberater nun Geld sparen, sondern um einen gesellschaftlichen Aspekt. Die spannende Frage ist nun, ob das so funktionieren wird.