Immer normaler aber der Ofen bleibt aus

Es wird immer normaler in Puerto Naos. Dass die ganze Zeit vermeldet wird, wenn es dort unten, im ehemaligen gasigen Sperrgebiet eine Neuerung gibt, ist das eine. Jede Eröffnung wird gefeiert, und man hat das Gefühl, dass da schon Stück für Stück „Normalität einkehrt. Allerdings handelt es sich bei der Geschichte natürlich um, eine wechselvolle Beziehung zwischen Nachfrage und Angebot. Sprich gehen denn die Leute da hin. Wenn ich meinen Laden da wieder aufmache, dann muss ja auch der Kunde parat stehen und bei mir konsumtechnisch die Kasse klingeln lassen, ansonsten ist es vielleicht cleverer, weiter postvulkanische Unterstützung zu beantragen. Was bei der ganzen Sache hilft, sind die heißen Temperaturen. Der Besucher und Bewohner der Insel sucht die Abkühlung, und die gibt es nun mal am Strand. Letzten Freitag war Feiertag und somit verlängertes Wochenende, und Puerto Naos war randvoll von Besuchern. Ich gehe da nicht gerne hin. So ein Strand ist nichts für mich, da muss man ja eine Badehose anziehen, und ich möchte mich nicht halbnackt präsentieren und andere Menschen auch nicht mit diesem zweifelhaften Anblick konfrontieren. Sich mit langer Jeans an den Strand setzen/legen ist noch lächerlicher, das geht also nicht. Dann lieber nach El Remo um Fisch zu fangen und dann lecker in der Pfanne braten. Da kommt man aber dann auch in Puerto Naos vorbei, und kann die Menschlein zumindest von oben erspähen, wie Sie am Strand liegen. Und wenn man mit Leuten spricht, die da unten wohnen, dann sind die auch der Ansicht, dass die Geschichte schon wieder ein wenig so ist wie früher. Heute war es am Vormittag ruhig, ich war tatsächlich, wegen der Arbeit da unten. Und, so schien es, der bislang einzige Grund dort auch privat hinzugehen, der Besuch im Orinoco, scheint wiederzukehren. Da wird gewerkelt und eine Nachbarin sagte, dass die im September den Laden wieder auf machen würde.

Hier auf der Insel zu sterben ist nach wie vor etwas kompliziert. Vor allem für die Angehörigen. Das Krematorium tut nämlich immer noch nicht, das beklagt zumindest die oppositionelle PSOE und fragt, was da denn eigentlich los sei. Das alte Krematorium in Las Manchas, das für alle Verblichenen zur Einäscherung benutz wurde, ist seit dem Vulkan außer Betrieb, weil da die Lava reingelaufen ist. Wir hatten dadurch eine Art Notstand und die Toten wurden mit der Fähre auf die große Nachbarinsel gebracht, dort verbrannt und sind dann mit den Angehörigen wieder nach Hause. Klar war allen, dass das kein dauerhafter Zustand sein kann, und man da eine Lösung finden müsse, weil das für die hinterbliebenen neben der emotionalen Belastung auch eine zusätzliche Belastung der Finanzen darstellte. Also hat man ein mobiles Krematorium besorgt, und das dann erstmal auf dem Friedhof von Breña Alta in Betrieb genommen. Dann wurde beschlossen, dass man das auch da fest stehen lassen könne und man deshalb für die Zukunft gut gerüstet sei, bis dann Anfang des Jahres Probleme auftraten. Man schaffte es nicht die nötige Temperatur zu erzeugen und „Sanidad“, die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, das sind die, die auch die Restaurants kontrollieren, hat angeordnet, dass der Apparat ausbleiben solle, alldieweil die Verbrennung der Toten eine potentielle Gesundheitsgefährdung der Lebenden darstellen könne. Das lief dann erstmal unter der Hand, bis dann im März die ersten Zeitungen das Thema aufgegriffen hatten, und das Problem auf den Tisch gebracht haben. Die Inselregierung meinte, dass da entsprechende Ersatzteile fehlen würden, diese aber bereits geordert seien und man hoffen das die ersten Verblichenen Ende April oder spätestens im Mai, wieder hier eigeäschert werden können. Nun neigt sich der August langsam dem Ende, aber der Ofen ist immer noch aus, und man hört auch nichts, was denn nun das Problem sei, oder wie man, sollte man da keine Lösung anbieten können, die Geschichte anders lösen wolle. Und natürlich ist so ein Thema, Sterben ist ja an sich schon emotional aufgeladen , eine prima Gelegenheit für die Opposition lautstark die Verantwortlichen zu kritisieren.