Nicht erschrecken!

Beim letzten Mal, als sich vor ein paar Monaten das Militär um und über die Insel manövriert hat, diente das, nach offiziellen Angaben aus dem Spanischen Verteidigungsministerium, der Verbindung zwischen Bürger und uniformiertem Bürger. Wir hier draußen im Atlantik sollten also mitbekommen, dass die Armee im Zweifelsfall unseren Hintern verteidigen würde, und dass die für uns da sind. Nun in der letzten Augustwoche mäandern nun wieder Bodenpatrouillen der 16. kanarischen Brigade durchs palmerische Unterholz. Und das an sogenannten „strategischen Punkten“. Auch hier wird uns nun die Begründung geliefert. Man möchte abschrecken und die Sicherheit und nationale Souveränität gewährleisten. Gestern Morgen ratterten schon lautstark zwei grüne Fluggeräte über das Tal und das sorgt dann eher für Erschrecken, weil wir ja immer denken, dass die Teile gelb sein könnten und unten ein Sack hängen würde. Koordiniert und geplant wird die militärische Aktion von Generalleutnant Julio Salom, dem Chef der auf den kanarischen Inseln stationierten Truppen und Koordinator für Präsenz- und Überwachungseinsätze auf den Kanarischen Inseln, Ceuta, Melilla und die Balearen, also dem ganzen Kleinzeug, das nicht direkt auf der Halbinsel liegt. Wer nun abgeschreckt werden soll, das wissen wir nicht, es geht dabei wohl eher um das generelle Präsens zeigen und darum, dass die Uniformträger nicht in der Kaserne versauern, sondern auch mal in Gottes freie Natur rauskommen.  Gleichzeitig betont man aber auch wieder, dass wir uns sicher fühlen sollen, dass wir im Ernstfall auch verteidigt werden würden. Ich habe das mit dem Militär nicht so, und wenn Menschen mit dicker Wumme an mir vorbei laufen, dann beunruhigt mich das immer eher, das sind ja keine Spritzpistolen, die da über der getarnten Schulter baumeln. Auch ist mir in der momentanen Gemengelage die da global vorherrscht, La Palma als Angriffsziel nicht wirklich schlüssig. Was will der Russe hier frag ich mich. Auf den Balearen kann ich das vielleicht noch verstehen, da liegen vielleicht noch einige Oligarchenyachten rum, die von der EU sanktioniert und an die Kette gelegt wurden und im Ernstfall befreit werden sollen. Eine militärische Eroberung von La Palma würde vielleicht die Versorgung mit Bananen gewährleisten und es könnte ja sein, dass es da im Kernland des ehemaligen Ostblocks noch ein unbearbeitetes Trauma, was die Versorgung mit Südfrüchten angeht gibt. Das sind so die Fragen, die das Militär bei mir auslöst. Was ich auch noch nicht ganz verstanden habe ist die Geschichte mit der Tarnkleidung. Um im Ernstfall nicht vor die Kalaschnikow zu laufen ist das ja durchaus sinnvoll, nahezu unsichtbar zu sein. Jetzt geht es aber ja gerade um Abschreckung. Man möchte also, dass der eventuelle Feind einen war nimmt. Wären da nicht neonpinke Hemdchen viel effektiver. Vor was soll den der potentielle Eroberer zurückschrecken, wenn er die Verteidigungseinheit nicht sehen kann. Da denkt der doch „kein einziger Soldat zu sehen, da schicken wir mal 3-4 Mann mit dem Schlauchboot hin und die Insel ist erobert“. Ich verstehe von sowas aber nicht allzu viel, schließlich war ich ja Zivildienstleisender, und wo kommen wir denn dahin, wenn ich erfahrenen Militärs, wie dem Generalleutnant Julio Salom, da alberne Vorschläge mache.