Importstopp und komische Zeitungsmeldung

Die Reblaus treibt, wie schon berichtet, auf der Nachbarinsel Teneriffa ihr Unwesen. Der kleine Schädling war bislang auf den Kanaren nur vom Hören-Sagen bekannt, jetzt aber ist durch den Befall, im Norden der großen Schwester, die Kacke am Dampfen. Schnell wurde da reagiert, und man verbat den Transport von Stecklingen und anderen Geschichten zwischen den Inseln. Wir groß das Problem gerade auf Teneriffa ist, das weiß man noch nicht genau, und man weiß auch nicht, ob sich die Laus vielleicht schon unbemerkt auf andere Inseln ausgebreitet hat. Da ist man gerade emsig am Suchen und fordert alle Weinrebenbesitzer auf die Pflanzen unter die Lupe zu nehmen. Bislang wurde nichts gefunden, was erst einmal ein gutes Zeichen ist. Aber da auf Teneriffa der erste Befall an Reben festgestellt wurde, die gar nicht in Bewirtschaftung sind, also an irgendwelchen ehemaligen Weinbergen und Pflanzen, die irgendwie noch zwischen anderen Pflanzen rumwachsen, kann man sich da nicht sicher sein. Die Situation haben wir hier eben auch, dass es halbverwilderten wein gibt. Die Weinbauer sind auf jeden Fall gerade recht angespannt, weil ein Befall eben nichts gutes verhei0ßen würde. Die Regierung der Kanaren ist ebenfalls alarmiert und hat nun, zu dem interinsularen Verbot noch ein zusätzliches verbot für den Import von Weintrauben und Stecklingen aus allen Gebieten erlassen, in denen die Reblaus bereits vorkommt. Ausgenommen sind Traubenkerne und Tafelobst. Allerdings ist schon die Frage, warum man da nun, wo man den Befall auf den Inseln hat, reagiert und zuvor eben nicht. Man hätte das ja vielleicht so verhindern können. Und Weintrauben wurden da immer verschoben. Teilweise hat man die Trauben Importiert und dann auf den Kanaren in mit den eigenen vermengt, gemaischt und gekeltert. Das war dann „Kanarischer Wein“, allerdings ohne Gütesiegel. Ob sich der totale Importstopp von Weintrauben nun auf die Preise hier auswirken wird, muss man mal sehen. Wein selber, also in Flaschen und mit Prozenten darf freilich weiterhin auf die und zwischen den Inseln verschoben werden. Wir werden also nicht verdursten.

Gestern reagierte meine Frau, die da gerade kränkelnd zwischen Bett und Ecke hängt, leicht verwirrt bis empört. Ihr kam nämlich ein Zeitungsartikel der eher boulevardesk und sensationslüstern daherkommenden Onlineausgabe des Diario de Avisos unter die Augen. Die schreiben immer wie schlimm die Auswüchse des Massentourismus sind, vor allem in Bezug auf ausländische Jungmänner, und beklagen sich im nächsten Atemzug darüber, dass der Tourismus dahin darbt, wenn wieder irgendetwas passiert und wir deshalb Besucherzahlen verlieren könnten. Bei dem Pamphlet, dass auch gerne über Kriminalität und Unfälle berichtet handelt es sich nicht um ein palmerisches Produkt. Man ist für die gesamte Provinz Teneriffa zuständig. Deswegen bezog sich die Meldung über die Neueinführung der freiwilligen Wehrpflicht im touristischen Entsendeland Deutschland ja wohl dann eher auf die Hotelburgen auf der großen Schwesterinsel. Man habe nämlich Bedenken, dass die Jungmänner nun, gar keine Zeit mehr haben würden, um auf die Kanaren zu fliegen, weil man eben zum Militär gehen würde anstatt im Urlaub zu verweilen. Das ist natürlich absoluter Blödsinn, weil der deutsche freiwillig Wehrpflichtige ja Geld verdient und dann im Anschluss noch länger nach Teneriffa fliegen kann. Aber geschenkt. Solche Meldungen sorgen aber dafür, dass man sich wieder mal Gedanken darüber macht, was wir alles problematisieren in Sachen Tourismus. Und da kommt dann eben auch wieder La Palma ins Spiel. Hier wurde massiv geklagt, dass im Sommer keiner kam und es gab die Diskussion, ob das nun nur an der schlechten Erreichbarkeit, oder an der „mangelhaften Kommunikation“ der Politik liegen würde. Puerto Naos wurde da genannt und diskutiert, weil man da eben in der Vergangenheit die Sache mit den Gasen mit recht drastischen Worten („unvereinbar mit dem Leben“) diskutiert hatte. Allerdings ist dem La Palma Profi längst klar, dass die Geschichte der Vergangenheit angehört. Fast alle Zonen sind auf, und werden überwacht. Und es gab auch gar keine Probleme mehr bei der Geschichte. Die Messgeräte messen vor sich hin, und sind überall unter den Grenzwerten, welche auch noch so niedrig angesetzt sind, dass da gar nichts passieren kann. Die aus dem ehemaligen SOL-Hotel, nun Melia, haben die Sache längst geklärt und die Pauschalreisenden kommen da zu Genüge.  Der Laden läuft also wieder. Dass die Appartements im Sommer nicht gebucht werden hat vielleicht auch einen anderen Grund. Schließlich dient der Küstenort da weiterhin als Sommerresidenz für die Einheimischen. Wir, als kleine Firma, haben auch Appartements in Puerto Naos im Angebot. Unser firmeneigenes Stammpublikum, dass sich erst Siebolds und dann wir selber angezüchtet haben, zieht es aber eher in die Natur als in Strandnähe. Für den kommenden Winter haben wir schon fasst alles voll, mit Ausnahme von den Appartements in Puerto Naos und blauäugig wie wir sind, haben wir da nun tatsächlich noch ein weiteres ins Programm genommen. Jetzt hört und liest man aber, dass die Buchungen für den nächsten Winter für die Küste nicht nur bei uns, sondern auch woanders nicht gerade rosig sind. Und man fragt sich, woran das liegt. Normalität herrscht da ja schon wieder. Viele Bars und Restaurants haben auf und auch die Bäckerei und der Supermarkt sind offen. Das ist nochmal ganz anders als im letzten Jahr. Es gibt Veranstaltungen, Konzerte und Filmfestivals an der Promenade und auch die Schule dort unten öffnet im September wieder ihre Pforten, was dem Urlauber schnuppe sein kann, aber eben ein Zeichen für die Normalität darstellt. Die Frage ist nun eben, ob wir das entsprechend kommuniziert, oder da was verbaselt haben. Man muss da gar nicht die Regierung anschwärzen, die Kanäle zu La Palma, die zumindest die deutschen Touristen nutzen, sind ja ganz andere. Vielleicht ist aber auch etwas zu viel Zeit vergangen. Wir hatten erst den Covid, dann den Vulkan selbst, dann die gasigen Sperrungen und die letzten beiden Jahre entsprechende Einschränkungen. Jetzt ist der Tourist ja auch ein scheues Reh, und die die immer nach Puerto Naos in den Urlaub gegangen sind, mussten sich erst anders orientieren und waren vielleicht dann auch in den letzten beiden Jahren enttäuscht, ob der Situation dort. Und der ein oder andere hat sich nun vielleicht auch auf andere Destinationen eingelassen, schließlich haben andere Inseln auch schöne Töchter. Das könnte also dauern, bis man sich in Puerto Naos wieder etwas touristische Normalität aufgebaut hat. Die Rahmenbedingungen sind zwar da, aber man muss nun eben die Gäste wieder anlocken. Vielleicht könnte man da gezielt Werbung bei der Bundeswehr machen, wenn die Freiwilligen dann durch sind, dann brauchen die vielleicht Erholung. Die jungen Leute zwar nun mit militärischer Unterstützung einen Führerschein machen können, bleibt das Problem, dass man meist keinen Mietwagen bekommt (Mindestalter). Also wäre doch ein Aufenthalt in Puerto Naos, mit Strand, Bars und Supermarkt (Bierdepot) und eben widererlangter Normalität eine gute Option, um die Entlassung zu feiern. Das wird nicht passieren, denken Sie? Ich auch nicht, aber wenn sonst keiner kommt, dann muss man halt mal kreative Denkansätze bringen.