Saisonbeginn und Mitbringsel

Es geht wieder los. Im Winterhalbjahr kommen nicht nur die Flieger, sondern auch die großen Pötte.  Gestern lief mit der „Ventura“ der erste Kahn im Hafen von Santa Cruz de La Palma ein, und es werden, bis Juni 2026, noch einige folgen. Bis her sind es 235 Hafenbesuche in unserer Inselhauptstadt, die da von den Reedereien geplant sind. Mehr als im Vorjahr, und vielleicht kommt da auch noch etwas dazu. Offensichtlich scheint das Geschäft mit den Kreuzfahrten weiter zu boomen, und der Chef der Hafenbehörde der Provinz Teneriffa, zu der wir ja auch gehören, der freut sich mächtig über den Zuwachs. Ob das uns guttut, das weiß ich nicht. Die Argumentation, dass diese Art von Tourismus Ressourcenverschwendung sei, und uns nicht viel bringt, die liegt nahe. Die Einzelhändler in Santa Cruz, die häufig auch Inselmemorialien, „Made in China“ verscheuern, die sehen das sicher ganz anders. Dann machen die vielleicht auch noch Bustouren und schauen sich andere Sachen an, und lassen eben auch Geld auf der Insel, was dann hier in Umlauf gelangen kann. Gleichzeitig wird dann aber eben auch die Infrastruktur beansprucht, und wer denkt, dass die Pötte ihren Müll wieder mitnehmen, der auf der Überfahrt von der einen zur anderen Insel angefallen ist, der liegt vielleicht daneben. Letztlich fallen da eben auch Kosten an, die die Gemeinschaft am Ende tragen muss. Ich werde mich aber hüten, als jemand, der von den Kerosinbombern lebt, die uns die Gäste auf die Insel spülen, da jetzt noch über die Umweltaspekte, die Kreuzfahrten mit sich bringen, in irgendeiner Form das Maul auf zu reißen. Dass ich mir so eine Art Urlaub im Leben nicht für mich vorstellen kann, sollte da auch nicht der Maßstab sein. Sollen die doch machen.

Die Schiffe, und damit sind nun nicht nur die Kreuzfahrer gemeint, bringen aber nicht nur Menschen auf die Kanaren. Deswegen hat sich nun die Forschungsgruppe BIOECOMAC für Biodiversität, Meeresökologie und Naturschutz an der Universität La Laguna zu Wort gemeldet und vor einer potentiell invasiven Art gewarnt. Nie Rede ist von „Tubastraea coccinea“ oder der orange-gelben Kelchkoralle, die im Hafenbereich von Las Palmas und Santa Cruz de Tenerife entdeckt wurde, aber hier eigentlich gar nicht vorkommt, sondern aus dem Indopazifik stammt. In der Studie, die zu dem Thema vorgelegt und in der Fachzeitschrift „Marine Environmental Research“ veröffentlicht wurde kommt man zu dem Schluss, dass sich die Koralle hier festsetzen und ausbreiten könnte, weil die Prognosen des Weltklimarates die entsprechenden Wassertemperaturen für die Zukunft vorhersagen. Dass es diese Koralle hier mittlerweile gibt, dass ist schon länger bekannt. Schon 2022 wurden erste Versuchsreihen gestartet und die teile an den Hafenmauern abgepflückt und in Aquarien verfrachtet, um Temperaturschwankungen und Säuregehalt entsprechend zu testen. Laut Wikipedia ist schon bekannt, dass diese Korallenart aber relativ zäh ist, und auch die Laborversuche haben das nochmal bestätigt. Deswegen geht man davon aus, dass die Koralle langfristig hier heimisch werden könnte und gleichzeitig eine potentielle Gefahr für die Einheimische Meeresfauna bedeuten könnte.  Wobei wir hier ja kaum Korallen haben, der Verdrängungseffekt könnte also entsprechend gering ausfallen, anders ist das wohl in Gegenden, wo die Riffe wegen den Veränderungen der Umwelt bereits leiden. Tubastraea coccinea kommt wohl entsprechend besser mit den Veränderungen klar, und ist zudem auch äußerst vermehrungsfreudig, weil sie sich geschlechtslos fortpflanzen kann und die Larven bis zu 14 Tage ohne Problem überleben können, bevor sie sich an einem anderen Ort festsetzten, was das Potential zur schnellen Ausbreitung noch vergrößert. Auch bei Aquarienfans , ist die Koralle, wegen der Robustheit, entsprechend beliebt, und man geht davon aus, dass dies auch zur Verbreitung beigetragen hat. Auch im Mittelmeer finden sich bereits Kolonien der Koralle.

Eigentlich ganz hübsch. Foto: ULL