Knappe 8.700, aber wahrscheinlich noch mehr

Eigentum verpflichtet vs. kommunistische Umtriebe und Enteignungspalaver. Das spanische Wohnungsbauministerium gibt bekannt, dass man insgesamt über 53.000 illegale Ferienwohnungen von den Plattformen hat streichen lassen. Davon 8.698 auf den Kanaren. Hintergrund ist, dass das spanischen Wohnungsbauministerium vor Monaten ein Gesetz erlassen hat, dass gegen illegale Vermietinserate auf Buchungsplattformen vorgehen soll. Der Besitzer braucht nun nicht nur eine gültige Vermietlizenz sondern auch einen entsprechenden Eintrag beim Ministerium, die dann wiederum eine lange und einheitliche Nummer ausgeben, die Buchungsplattformen, also die Onlineformate, bei denen man den Buchungsablauf, ohne persönlichen Kontakt abwickeln kann, entsprechend veröffentlichen müssen. Ansonsten muss das Ding von der Seite genommen werden. Dasselbe gilt auch für Kurzzeitportale, wobei sich da der Platzhirsch Idealista darauf beruft, dass die Anzeigen nur zur Kontaktherrsellung seien, eine direkte Buchung aber nicht möglich sei und sie deshalb ausgenommen sind, weil es eben in dem Sinn dann keine Plattform sei. Die Nummer bekommt man aber auch erst, wenn man eine gültige Ferienvermietlizenz nachweisen kann, bei den Kurzzeitgeschichten ist das auch nötig, aber man darf dann nicht zu Ferienzwecken vermieten, sondern z.B. an Saisonarbeiter oder ähnliches.  Auffallend war in dem Zusammenhang, dass in der Region Madrid, vielmehr Anträge zum Erhalt einer Kurzzeitlizenz gestellt wurden, als für Ferienwohnungen. Der Grund, warum man nun so die Daumenschrauben anzieht, liegt ganz einfach im Wohnungsmangel. Vor allem in den Ballungsräumen wird viel Wohnraum entzogen, weil sich mit den Tourismus mehr Geld machen lässt. Die nun von der spanischen Regierung veröffentlichten Zahlen sind schon mal eine Nummer, weil da nämlich noch was drauf kommt. Nicht nur, dass da Eigentümer die Nummer nicht bekommen haben und deshalb nun die Anzeigen zwangsgelöscht wurden, manch einer wusste im Vorfeld bereits, dass das nichts werden würde, und man hat die Inserate frühzeitig zurückgezogen, bzw. haben die Plattformen mitgeteilt, dass die Sachen gelöscht werden würden. Wieviel hier auf La Palma zwangsgelöscht wurden, dass geben sie veröffentlichten Zahlen nicht her. Die Schwerpunkte liegen aber im Süden von Teneriffa und Gran Canarias, sowie in einigen Gebieten von Lanzarote und Fuerteventura. Als jemand, der auf La Palma lebt, glaube ich aber, dass da Hauptproblem bei uns nicht an den Ferienwohnungen, sondern am Leerstand liegt und natürlich am mangelnden sozialen Wohnungsbau, bei dem Spanien ganz weit zurückliegt. Der Vulkan hat den Bedarf gleichzeitig massiv erhöht und bei den Preisen zum Kauf können sich viele kein Eigenheim mehr leisten und drängen deshalb zusätzlich auf den Mietmarkt. Das Problem ist entsprechend komplexer und vielschichtiger, als man denkt, zudem wir nach wie vor Gebiete auf der Insel haben, wo es entsprechend günstiger geht, die Leute aber, aufgrund ihrer persönlichen Lebenssituation nicht wohnen wollen/können. Die spanische Regierung meint nun, dass die ganzen gelöschten 53.000 Wohnungen dem normalen Mietmarkt zugeführt werden, und feiert sich für das Gesetz entsprechend. Allerdings kann man sich da nicht wirklich sicher sein. Einige melden schon an, dass Sie die Bude dann lieber leerstehen lassen würden, weil es hier immer die Angst gibt, dass die Mieter die Wohnung runterrocken und dann auch noch keine Miete bezahlen. Außerdem gehe es den Staat ja gar nichts an, was man mit seinem Eigentum machen würde. Diese Geschichten erzählen sich vor allem Wohnungsbesitzer. Dass diese aber wiederum die Buden häufig nicht renovieren und denken, dass man nichts machen muss, weil die ja die Miete bezahlen, und wenn es denen nicht passt, dann sollen die halt abhauen, man findet ja jederzeit einen neuen, der aufgrund seiner Situation Mondmietpreise bezahlt, das wird nicht so häufig berichtet, entspricht aber der Realität. Dabei gäbe es unter Umständen tatsächlich entsprechende Lösungsmöglichkeiten, wenn z.B. der Staat die Miete bei Sozialfällen garantieren würde, dabei aber gleichzeitig dann ein Mindeststandart für den Zustand der Wohnung gelten würde. Da würde es sich manch einer sicher überlegen, ob er seine Bude nicht vermieten soll.

Die Kanaren machen da auch gerade entsprechend weiter. Man hat beim spanischen Staat die Möglichkeit eingefordert, Auswärtigen den Immobilienkauf zu reglementieren. Nach EU-Recht geht sowas freilich nicht, aber es gibt eben Sonderregelungen für die sogenannten Randgebiet, zu denen wir, auch wegen unserer Insellage gehören. Die Spanische Regierung hat zugesagt, dass man sich bei der EU um eben eine solche Regelung für die Kanaren bemühen werde. Ob das dann einheitlich wird, muss man mal abwarten, wahrscheinlicher ist dann, dass man den Inseln oder sogar den Gemeinden die Möglichkeit geben wird, das entsprechend umzusetzen, je nachdem wie groß der entsprechende Druck auf dem Immobilienmarkt ist. Nach wie vor sind es tatsächlich Nichtresidenten, die sich hier was kaufen und die Preise weiter antreiben. Und auch hier liegt die Schuld ja nicht nur bei den Käufern, sondern auch bei den Verkäufern, die maximalen Profit über das Gemeinwohl stellen, weil man vom gutbetuchten Mitteleuropäer entsprechend mehr bekommt, als von einer kanarischen Familie. Damit aber nicht genug, auch soll es bis zum Jahresende ein neues Tourismusgesetz geben. Man hat den Bürgern über Wochen die Möglichkeiten gegeben, da auch Eingaben zu machen und es kamen wohl hunderte zusammen. Letztlich ist aber klar, dass es dabei auch um festere Daumenschrauben gehen wird. Da gibt es auch lobbystarke Verbände, wie die Hotelindustrie, die die konkurrierenden Ferienwohnungen gerne weghätten.  Aber man hat bereits angekündigt, dass man da unterschiedliche Ansätze haben wird, zwischen den einzelnen Inseln. Im Gespräch sind Kontingente, an Ferienwohnungen im Vergleich zu normalem Wohnraum, und man möchte da, mit Rücksicht auf die Urlauberstruktur, vor allem der sogenannten „grünen Inseln“ (La Palma, El Hierro, La Gomera) unterschiedliche Quoten nehmen, was die Anzahl der Lizenzen anbelangt.