Kein Kompost

Man hört hier auf die Stimme des Volkes. Zumindest wird das so verkauft. Und weil überall das Sankt-Florians-Prinzip gilt, muss man laut aufstampfen, wenn man was nicht vor der eigenen Haustür haben will. Hier auf der Insel war ein Kompostwerk in Arbeit. Die Initiative stammt von der Vorgängerregierung und man wollte im Industriegebiet von Mazo eine moderne Anlage errichten. Laut Politik und Techniker war Ziel dabei, dass man den organischen Unrat nicht auf die überlaufende Deponie karrt. Gleichzeitig kann man dann auch noch fruchtbare Erde aus der Sache herausholen. Projektstart war bereits 2022, also nicht der Baubeginn. 7,9 Millionen Euro waren eingeplant, wovon 4,1 Millionen aus einem kanarischen Entwicklungsfonds der EU stammen der den schwungvollen Namen „Next Generation“ trägt. Abrufen muss man das Geld bis 2026 wobei auch noch eine Verlängerung möglich wäre. Jetzt kann man sich was anderes dafür aussuchen, weil die Inselregierung der Coalicion Canarias das Projekt gestoppt hat. Da gab es nämlich Anwohner in der Nähe, die das nicht haben wollen, und deshalb protestiert haben. Das Rathaus von Mazo hat sich dann auch solidarisch erklärt und nun gemeinsam mit dem für Müllentsorgung zuständigen Consejal der Inselregierung, Fernando González, das Ende des Projektes bekannt gegeben. Natürlich mit der ausdrücklichen Betonung darauf, dass man nach wie vor der Ansicht sei, dass die Anlage keinerlei Beeinträchtigung für Anwohner oder irgendwelche anderen Aktivitäten in der Nähe bedeuten würde. Aber man betont, dass man hier stehts im Gespräch mit den Anwohnern sei, und deren Sorgen und Ängste ernst nehmen würde. Dies sein der Verwaltungsstil den man sich selber vorgenommen habe, und man werde nicht an den Bürgern vorbei agieren, sondern wolle zuhören. Ganz nüchtern betrachtet ist das natürlich selektiv. Man muss da nur mal an die Machenschaften am Rianchuelo denken, und merkt dann, dass Populismus eben eine Sache ist, die man nicht unbedingt ernstnehmen muss. Schlimmer als Anwohner zu verärgern wäre es einen Mann mit Geld zu vergrätzen, und da läuft der Hase dann andersrum. Und ernsthafterweise muss man wirklich die Frage stellen, wie man sowas als olfaktorisch unbegründet titulieren kann, und dann die „unbegründeten“ Sorgen ernst nehmen wolle. Aber die Drohung der Anwohner aus Mazo, die dann vielleicht eine andere Partei wählen würden, die nimmt man ernst. Mann kann also dann eher von seinen eigenen Sorgen als Politiker reden. In dem Zusammenhang passt das aber dann auch mit dem abgesagten Kompostierwerk ganz gut ins Bild. Während uns die Vorgängerregierung noch andauernd in Sachen Mülltrennung und Vermeidung ins Gewissen geredet hat, hört man nun gar nichts mehr. Und schaut man hier in die Tonnen, dann könnte man zu dem Schluss kommen, dass das auch bitter nötig wäre. Momentan muss man aber keinerlei mahnende Worte befürchten. Das Motto ist, das man dem potentiellen Wiederwähler nicht ans Bein pinkelt. So gesehen brauchen wir auch keine moderne Kompostanlage, weil das, was da gerade drin ist, zumindest keine Erde ergibt, die sich dann verwenden lassen würde. Das was man gerade fermentieren lässt, auf dem Gelände der Deponie in Mendo, das ist so dermaßen plastikdurchsetzt, dass es eh nichts hilft. Die freiwerdenden Gelder will man nun anderweitig verwenden und prüfe alternative Standorte suchen oder eben die Deponie ausbauen.

Veröffentlicht in Müll