Der Gehörnte zu Besuch und ein neues Buch

Gestern schaffte es das Rathaus von Puntagorda in die kanarischen Schlagzeilen. Nicht etwa, weil es da irgendeinen politischen Skandal gab oder sich die Ratsherren in die Wolle bekommen haben. Der Grund war ein unerwarteter Besuch vor Ort. Genauer gesagt in der Abteilung für Soziales. Die Conseja für Sozieles selbst, traf den Besucher an und reagierte erstmal überfordert. Im Flur stand ein veritabler Ziegenbock, und niemand wusste, wo der herkam, und wem der gehört. Schließlich kann der Kerl mit den großen Hörnern da ja nicht stehen bleiben, da müssen ha andere Besucher und Beschäftigte dran vorbei und man witzelte auch schnell rum, dass man ja nicht wüsste, ob das Huftier eventuell dort war um eine Beschwerde vor zu bringen und deshalb entsprechend geladen war.  Man schaffte es aber dann doch, den Halter des Tieres ausfindig zu machen. Laut kanarischem Fernsehen heißt der Mann Fidel und hat seinen Bock dann ganz glücklich und, nach eigener Aussage, gesund und in bestem Zustand, bei der Gemeinde angeholt. Das Fernsehen hat dann noch ein wenig nachgeforscht und der Ziegenbock muss sich wohl schon in der Nacht vom heimischen Acker gemacht haben. Warum das Tier dann ins Rathaus kam, das weiß nun niemand, und natürlich gibt es Vermutungen, dass da einer nachgeholfen haben könnte, sprich das herrenlose Tier auf der Straße angetroffen hat, um es dann schließlich ins Amt für Soziales zu bringen. Schließlich wirkte das Tier ja hilflos. Die Stadträtin reagierte im fernsehen dann aber mit Humor und betonte, dass man zwar nicht wisse, was der Ziegenbock wollte, aber man habe sich als Amt für soziales in der Pflicht gefühlt da zu helfen und dem Tier erstmal Wasser gegeben um anschließend die Angehörigen bzw. den Besitzer ausfindig zu machen. Man würde sich Bemühen allen Besucher die dort ankommen entsprechend zu helfen. Den zugehörigen Beitrag können Sie hier ansehen.

Dann habe ich noch eine Mail von Dr. Harald Braem erhalten, welcher zumindest teilweise hier auf der Insel lebt. Der Kulturwissenschaftler und Archäologe betreibt hier und auf den anderen Inseln, seit 40 Jahren Feldforschung zur Kultur der Guanchen und hat nun ein Buch mit dem Titel „Guanchen, Spuren einer geheimnisvollen Kultur“ veröffentlicht. Erhältlich ist das hier im Benehauno Centro de Interpretación Petroglifos El Paso, in Tijarafe bei Vida sana und in Puntagorda in der Calabaza. Außerdem gibt es das auch bei einem großen Onlinehändler, der seine Frau gemeinsam mit Rihanna ins All schießt und sich eine renommierte Zeitung aus der US-Hauptstadt gekauft hat. Den Namen mag ich nicht nennen. Mir persönlich geht diese Guanchengeschichte ganz gerne gegen den Strich. Nicht weil das Thema nicht spannend wäre, sondern weil die Guanchen für unsere Nationale Identität dauernd herhalten müssen. Die Tatsache, dass die alteingesessenen Canarios auch Guanchenblut in sich tragen, wird gerne allzu oft von den Regionalnationalisten hervorgehoben, um sich vom Rest der Spanier abzugrenzen auf das der eigene Identitätsstift anschwillt. Dass der Blutanteil der Spanier, welche den Guanchen mit Kreuz und Schwert zu Leibe rückten, entsprechend höher ist, wird tunlichst ignoriert. Nur kann niemand was für seine Gene und deshalb gibt es da dann auch keinen Grund auf irgendwas stolz zu sein. Da der Autor des Buches aber eben ein Zugezogener ist, kann man diese Vermengung aus Geschichte und eigenem Dasein auch nicht erwarten, und deshalb kann das dann eben für Interessierte auch ganz spannend sein.