Die Heilige ist wieder zu Hause und die Sache mit den Koffern

Gestern ging die Wallfahrt der Virgen de las Nieves, also unserer inselheiligen zu ende.  Jetzt ist Sie wieder daheim in der Kirche, die ihren Namen trägt, und bleibt da auch nun eine ganze Weile. Erst in 5 Jahren darf die wieder Raus, also dann, wenn de Feierlichkeiten zu Ohren Ehren wieder auf dem insularen Eventkalender stehen. Die Geschichte mit der 3-wöchigen Rindreise durch sämtliche Inselgemeinden ist auch nichts, was alle 5 Jahre stattfindet, sondern wurde als etwas Besonderes geplant. In manchen Gemeinden schlug sie das allererste Mal auf, und die Gläubigen waren da ganz entzückt, ob des hohen Besuchs. Die drei letzten Wochen waren aber tatsächlich anstrengend. Nicht nur für die nicht mehr ganz so junge Jungfrau, auch die gesamte Organisation drum rum hatte es in sich. Transporte mit Polizeikonvoi auf dem offenen LKW, Straßensperren, Messen, Feuerwerk, Huldigungen. Für die lokale Politik war das eine ganz schöne Aufgabe. Bei beinahe jeder Veranstaltung zugegen sein, dann immer, schön fotogen die Heilige auf Ihrem Thron, auf den immer geschundeneren Schultern in eine Kirche rein- und wieder raustragen, was mit der Zeit ganz schön ins Kreuz gehen dürfte. Bei den messen anwesend sein, und der Dame einen Blumenstrauß überreichen. So manch einer dürfte nun froh sein, dass da etwas Ruhe einkehrt und man als Repräsentant der Inselregierung oder der Gemeinden nun wieder zu Tagesgeschäft zurückkehren kann. Jetzt, wo die Jungfrau wieder zuhause ist, kann man sich dann auf den Sohnemann konzentrieren, der ja in einigen Wochen Geburtstag hat. Teile der Weihnachtsbeleuchtung sind auch schon vielerorts montiert, aber bis das dann richtig opulent wird, dauert es noch einen Moment. Und nach Weihnachten ist ja dann schon wieder Karneval, und man hat irgendwie den Eindruck, dass wir hier von einem festlichen Grossereignis ins nächste schlittern.

Dann geht es nun noch um etwas Urlaubsfrust. Das trifft nicht jeden, aber ab und an eben doch so einige unserer Besucher. Die Rede ist von verschollenen Koffern, die hier auf der Insel nicht ankommen. Im Normalfall läuft die Geschichte wie folgt. Sie melden sich am Schalter und reklamieren Ihr Gepäckstück, wo dann Ihre Daten aufgenommen werden und man Ihnen dann mitteilt, dass man sich dann bei Ihnen melden wird, und den Koffer dann liefern wird. Dazu müsste man dann aber natürlich die Adresse der Unterkunft kennen, wobei die meisten unserer Gäste sowohl unserer Adresse, als auch unsere Kontaktnummer angeben, weil das sprachlich die Sacher stark vereinfacht. Wir versuchen die Sache dann zu koordinieren sind dann auch häufig so nett, das Gepäck zu uns bringen zu lassen. Eine andere Möglichkeit ist es, den Koffer dann am Flughafen selber ab zu holen. Die Geschichte ist nämlich teilweise ganz schön kompliziert. Am Flughafen gibt es tatsächlich offiziell drei verschiedene Firmen die sich um das Handling kümmern und dann im Zweifelsfall die verschollenen Koffer koordinieren. Nervenaufreibende Nachforschungen über die drei auf der Flughafen-Website angegebenen Telefonnummern ergeben folgendes Ergebnis: Die erste Firma kümmert sich um das Bintergepäck, die zweite um das von Arteuropa, also auch von Canaryfly, und die dritte um die Iberia. Wer den ganzen Rest von Condor, Eurowings und Konsorten händelt, das weiß ich nicht, und wenn man auf der Suche nach einem Gepäckstück ist, dann weiß man gar nicht, an wen man sich da nun wenden soll. Problematisch wird das bei der Nummer der Iberia, weil da einfach niemand ans Telefon geht, alldieweil die nur um den Zeitraum von Ankunft und Abflug der täglichen Maschine aus Madrid zu gegen sind. Wer also seinen Koffer vermisst, der mit der Iberia verschütt gegangen ist, der sollte sich bei Nachfragen auf die Ankunft der Maschine am nächsten Tag konzentrieren, und bei Selbstabholung da dann einfach aufschlagen. Wobei man eben gar nicht weiß, wann der Koffer dann wirklich ankommt. Sollte er beim Umstieg in Madrid liegen geblieben sein, dann kommt der am nächsten Tag. Wenn er schon am Abflughafen nicht mitkam, dann kann das dann länger dauern, was natürlich alles andere als schön ist, wenn man im Urlaub nichts zum anziehen hat. Die Fluggesellschaften beauftragen also hier Unternehmen, die sich um das Gepäck kümmern, und es handelt sich dabei um mindestens drei verschiedene. Die Geschichte ist aber dann nicht zu Ende. Diese Firmen beauftragen dann wiederum einen Fahrer, der das Zeug dann an die Passagiere ausliefert. Der nette Mann der da die Koffer in einem alten Lieferwagen über die Insel kutschiert, der uns mitgeteilt hat, dass es die Koffer von allen Fluggesellschaften, mit Ausnahme von Binter fährt. Das erstaunliche an der Geschichte ist dann aber, dass der am Ende alle Kontaktdaten hat, während Forschungen im Internet ergeben, dass da überhaupt gar keine Daten im Computersystem der Fluggesellschaften über die Lieferadresse vorliegen, was einen alemannisch strukturierten etwas aus der Fassung bringen kann. Dass man also erfährt, wann der Koffer kommt, und wo der gerade ist, ist nicht unbedingt zu erwarten. Am Ende läuft es dann häufig so, dass da ein Anruf kommt, und der freundliche Fahrer mitteilt, dass er in 5 Minuten da sein wird. Wenn der Sie aber dann nicht antrifft, dann geht der Koffer wieder an den Flughafen und darf erst am nächsten Tag auf Tour gehen. Der Mann hat auch seine Vorschriften. Ob man darüber informiert wird, das kann ich nicht sagen, bislang hat die Geschichte bei unseren Gästen immer irgendwie geklappt, auch weil wir ja meist im Hintergrund auch noch da sind. Wie das bei den Fluggesellschaften läuft, die nicht täglich kommen, das überblicke ich auch nicht wirklich. Meist geht der Koffer dann über eine andere Insel und kommt am Folgetag mit der Binter. Nur welche Fima und welcher Ausfahrer dann zuständig ist, wenn sich auch noch die Fluggesellschaften mischen, da blickt dann keiner mehr durch. Aber auch wenn das alles irgendwie intransparent und unkoordiniert wirkt, irgendwie klappt das dann schon fast immer irgendwie, dass das Gepäck ankommt. Wer die ungewisse Warterei nicht aushält, der geht am besten zum Flughafen und fragt am Folgetag dann persönlich nach. Da kommt man meist weiter, als wenn man die Hotline der Fluggesellschaften anruft. Die blicken da meist selber nicht durch, wie das auf so einem kleinen Flughafen, wie dem unseren abläuft.