Dann halt auf ein Neues und ewig lockt das Teleskop

Dass man Straßenbauprojekte öffentlich ausschreibt, und dann der günstigste, oder bei einem festgelegten Budget, der beste den Zuschlag erhält, das ist ja eine feine Sache. Das spart Geld und sorgt, wenn ordentlich transparent, dafür, dass nicht die Firma irgendeines Onkels zweiten Grades der Zuschlag erhält. Dumm ist aber, wenn sich dann mal gar keiner meldet, um die Arbeit zu übernehmen. Das ist nun bei uns passiert. Gebaut werden sollte auf den letzten Metern der LP4 und der LP403. Also ganz oben auf dem Roque, bei den Observatorien. Die Straße ist da in einem schlechten Zustand. Vermutlich auch, weil da eben ab und an Frost herrscht und die normale palmerische Straße ja gar nicht mit sowas konfrontiert ist. Betrachtet man die Tatsache, dass man als Straßenbauer auf der Insel gerade genug verdienen kann, ist das ja gar nicht so unlogisch, dass sich da keiner freiwillig meldet. Die ganzen Maschinen dort hoch bringen und noch die Arbeiter, die dann aber am Abend wieder gerne nach Hause wollen, das ist schon ein Aufwand, und wenn ich Arbeiter und Maschinen gerade bequem, und auch gewinnbringend, an anderer Stell auf der Insel einsetzte kann, warum sollte ich da dann zuschlagen. Weil sich beim ersten Mal nun keiner gemeldet hat, hat man die Geschichte nun nochmals neu ausgeschrieben. 2,8 Millionen, etwas mehr als zuvor, stellt man bereit, um die dem zu geben, der die Straße da entsprechend wieder in Schuss setzt. Im Prinzip wäre das ja gerade gar nicht so wichtig, schließlich haben wir noch ganz andere Probleme. Aber der Inselpräsident stellt die Wichtigkeit der Straße nochmals in den Vordergrund. Nicht nur, dass die Touristen da, zwischen Besucherzentrum und Observatorien, bequem hin und her fahren können sei nötig. Es geht auch um unseren kollektiven Traum vom TMT, also die Dreißig-Meter-Riesenschüssel, die wir allzu gerne bei uns auf der Insel haben möchten. Eigentlich soll das Ding nach Hawaii. Da wollen es aber die Ureinwohner nicht auf dem heiligen Berg, und der Orangenmann im Weißen Haus, hat die Finanzierung nun auch auf wackelige Beine gestellt. Die spanische Regierung hat dann schnell reagiert, und 400 Millionen an das Konsortium in Aussicht gestellt, wenn man das Teleskop dann eben doch nach La Palma bringen würde. Hier auf La Palma behauptet man seit Jahren, dass es bei uns nicht solche Probleme wie auf Hawaii geben würde, wir seien bereit, und wären in der Lage die nötige Infrastruktur bereit zu stellen. Sollten sich also die Betreiber bereit erklären La Palma ernsthaft in Betracht zu ziehen, dann nur zu. Wirklich ernsthafte Verhandlungen gab es aber bislang nie. Man hat sich La Palma als Option freigehalten, aber die Chancen waren immer gering, auch wenn wir nicht müde wurden, uns selbst das Gegenteil einzureden. Diese Woche hat sich die Situation nun aber geändert, und das Betreiberkonsortium prüft nun, ganz offiziell, die Errichtung auf der Roque de Los Muchachos. Man zeigte sich ob der 400 versprochenen Millionen nun doch erfreut, und fasst das nun ganz ernsthaft, nicht mehr nur als Notnagel, sondern eben als realistische Alternative ins weltallschauende Auge. Was eben bedeutet, dass wir nun tatsächlich realistische Chancen haben. Um so wichtiger wäre es nun, dass die sehen, dass hier alles reibungslos läuft. So gesehen kommt die Geschichte, dass niemand die Straße da oben bauen will, weil das Angebot seitens der Inselregierung nicht hoch genug war, im ganz falschen Moment. Es geht eben nun nicht nur darum, dass die Straße in astreinem Zustand ist, sondern auch darum, dass gezeigt wird, dass wir da hinterher sind, und uns die Sache auch was kosten lassen würden. Man ist gerade erst in einer Sondierungsphase angelangt, so betont die Regierung in Madrid. Es gehe gerade darum, die Technische Bewertung durch die Betreiber und den stabilen Finanzierungsrahmen seitens Spanien zu eruieren. Deshalb solle man den Ball noch flach halten. Aber die gemeinsame Erklärung des Konsortiums und der Regierung, mit dem Titel „einen vielversprechenden Weg in Spanien erkunden“, mache dann doch etwas Hoffnung.