Es gibt mehr Alte

Nicht von der demographischen Entwicklung auf der Insel ist die Rede, sondern von den Fischbeständen. Da aber auch nicht im generellen, sondern im Gebiet des vulkanischen Neulandes. Also da wo die Lava ins Mehr geflossen ist und sich unter Wasser neue Landschaften gebildet haben. Dort gibt es Fisch, und wohl gar nicht so wenig. Allerdings ist es dem Angler da, alldieweil geschütztes Gebiet (war es auch schon vor dem Vulkan) nicht möglich dem Unterwassergesellen beizukommen. Der darf da ungehindert rumschwimmen und muss erst Angst haben an den Hacken zu gehen, wenn er bis Tazacorte oder El Remo schwimmt. Die Meeresbiologen der Universität von La Laguna haben da nach dem Vulkan Untersuchungen angestellt und die Ergebnisse, auch wenn diese sich nur auf den Zeitraum der ersten 26 Monate nach dem Ausbruch beziehen, gestern m Fachjournal „Marine Pollution Bulletin“ veröffentlicht. Als Vergleich hat man bei der Untersuchung das Lavadelta des San Juan von 1949 herangezogen, und konnte so, durch regelmäßige Zählungen der Fischbestände in Sachen Häufigkeit und Größe, eine Entwicklung beobachten. Im Gegensatz zum Algenwachstum und der Besiedelung durch wirbellose Tiere, waren die Fische wohl recht schnell und in großer Anzahl in der Neugeschaffenen Unterwasserlandschaft ansässig und nach zwei Jahren sei kein signifikanter Unterschied zum Kontrollgebiet (Delta des San Juan) mehr festzustellen. Mittlerweile sind also fast alle heimischen Fische dort in größerer Stückzahl ansässig und die Forscher sehen darin eine hohe Resilienz der heimischen Arten. Was zum Ende des Untersuchungszeitraums noch nicht wirklich wieder auf dem „normalen“ Stand war, waren Fische, die generell eher selten hier vorkommen. Unter den einheimischen Arten hat sich eine Art aber besonders hervorgetan: Die Bestände von der Art „Sparisoma Cretense“ hier „Vieja“, also „die Alte“, genannt, war früher als alle anderen wieder da und die Forscher sprechen davon, dass der Bestand gewissermaßen explodiert sei. Den Grund sehen sie darin, dass Raubfische, die die Larven dieser Art fressen, etwas später im Gebiet ankamen, und deshalb die Bestände schnell gewachsen sind. Allerdings konnte da ziemlich schnell kein Zustrom von weiteren Fischen dieser Art beobachtet werden. Die Tiere, die da zügig und gleich nach der Eruption angekommen sind, haben sich dort einfach prima vermehrt. Und ja, der Fisch ist tatsächlich da. Wir gehen hier ja auch ab und an Angeln, und in den letzten 2-3 Jahren fängt man tatsächlich entsprechend mehr Viejas, als früher. Die scheinen sich eben auch in Richtung El Remo auszubreiten. Das klappt ganz prima. Recht nahe am Ufer, den Köder, Gamba oder Krebsbeine, knapp über dem Meeresgrund im Wasser baden, und dann beißen die fast immer an. Dabei handelt es sich eigentlich um den „europäischen Papageienfisch“, der auch wirklich recht lecker schmeckt. Von manch wunderlichen Übersetzungen in Restaurants, einfach durch den Computer gejagt, sollte man sich da nicht verwirren lassen. Da kamen schon ganz unappetitliche Varianten wie „der alte Fisch“ zum Kilopreis auf der deutschsprachigen Karte heraus. Deshalb keine Angst, den kann man gut bestellen und der kommt, im Gegensatz zum Wolfsbarsch und der Dorade auch nicht aus den Zuchtbecken.

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