Er ist immer noch da

Vor 50 Jahren und ein paar Tagen hat Franco ins Gras gebissen. Hier in Spanien war der 20 November somit en wichtiger Tag, weil er auch den Beginn der Demokratisierung darstellte, die sich in der Zeit nach dem Ableben des Diktators langsam entwickelt hat. Nicht nur die Demokraten erinnern sich, auch ein paar hundert Arschgeigen sind zum Gedenken an den spanischen Oberfaschisten durch Madrid gewaschtelt und haben aber damit in der Internationalen Presse mehr Aufmerksamkeit erfahren, als in Spanien selber. Dass es auch hier einige Idioten gibt, das will man ja nicht in Abrede stellen und gerade bei den jungen, bildet sich da gerade, aufgepeitscht durch asoziale Medien, ein neuer ekelhafter Bodensatz.  Allerdings spuken Franco und die Zeit der faschistischen Diktatur immer noch durch das ganze Land. Vor allem sieht man das an Straßennamen, Denkmälern und Symbolen. In den letzten Jahren hat sich da allerdings auch etwas getan. Die linke Regierung in Madrid hat da öffentlich die entsprechenden Forderungen gestellt, um die unliebsamen Straßennamen loszuwerden und man hat den Diktator selbst auch, aus seinem Mausoleum entfernt, und somit eine Pilgerstätte für die ewig gestrigen lahmgelegt. Für die Straßennamen und anderen widerwärtigen Symbole ist aber nicht die Regierung, sondern in den entsprechenden Gemeinden, jeweils der Bürgermeister zuständig. Und es gibt hierfür auch kein klares Regelwerk, was denn da weg sollte, außerdem würde es häufig auch am politischen Willen scheitern, so María Isabel Navarro Segura, Professorin für Kunstgeschichte an der Universität La Laguna, und Kumar Kishinchand López, Doktor der Geisteswissenschaften, ebenfalls von der Universität La Laguna, die nun bei der Konferenz „Demokratisches Gedächtnis und das Problem der öffentlichen Archive auf den Kanarischen Inseln“ einen insgesamt 9,300 seitigen Katalog vorgestellt haben, dessen Entstehung auf das Gesetz historischen Erinnerung der Kanarischen Inseln im Jahr 2018 zurückgeht und der 2022 von der kanarischen Regierung in Auftrag gegeben wurde. Ende März sei man mit der Mammutaufgabe fertig geworden, habe aber bislang nichts an Rückmeldung erhalten, wie man mit dem Inhalt umgehen soll. Dass die ganze Geschichte so lange gedauert hat (3 Jahre), habe laut einer Erklärung der Universität von La Laguna auch daran gelegen, dass man erst mal festlegen musste, was, wie und warum, am Ende in einem solchen Katalog gelistet werden soll, eben weil es für die Bezeichnung „Symbol der Francodiktatur“ gar keine gesetzliche Definition in Spanien gibt. Die Wissenschaftler haben aber nun, nach der von Ihnen festgelegten Definition 429 Überbleibsel in der kanarischen Öffentlichkeit entdeckt. Auf La Palma sind es immer noch 41. María Isabel Navarro betonte aber, dass es schon gehen würde, wenn man nur will. 24 Gemeinden auf den Kanaren haben Straßennamen und Gendenktafeln komplett entfernt, und damit den antifaschistischen Kehraus bewältigt. Auf La Palma sind das Puntagorda, Puntallana, Tijarafe und Villa de Mazo. Der ganze Rest hat also noch was zu tun. Um was es geht, kann man ja dann im Katalog nachlesen, da ist alles aufgelistet.