Hohe Ausgabenverteilung, aber!

Wieder mal geht es um unser Tourismusmodel hier auf der Insel und da hat sich mal wieder eine Expertenkommission zusammengesetzt und versucht die Geschichte zu analysieren und in de Zukunft zu schauen.  Diejenigen die da einen Blick drauf geworfen haben, stammen alle samt von der Universität von La Laguna, und das ist nicht ganz unwichtig zu betrachten, dass die gar nicht von hier sind, bzw. auch zu betrachten, wo die Daten für die Analyse her sind. Die nackten Zahlen stammen vom kanarischen Institut für Statistik, ein teil der Analyse basiert aber auch auf einem Artikel der Zeitschrift „Ambienta“, herausgegeben vom spanischen Ministerium für den ökologischen Wandel und die demografische Herausforderung der den Namen „Bewusster Tourismus auf Isla Bonita“ und eben von den Experten von der großen Schwesterinsel stammt und wo die Tourismussituation in Zusammenhang mit dem postvulkanischen Wiederaufbauprozess steht. Schaut man die nackten ISTAC-Zahlen an, dann sind für den untersuchten Zeitraum Juni 2025 über 53% der auf der Insel angebotenen Betten in Viviendas Vacacionales beheimatet. 31,4% sind in Hotels und 15,4% sind in Appartements. Und wie immer wird der Blick auf die Ferienhäuser geworfen, die zum größten Teil verstreut über die Insel liegen und nur zu einem geringen Teil in den Ballungszentren, was eben auf den anderen Inseln ein Problem für die einheimische Bevölkerung darstellt. So weit so gut. Jetzt kommt allerdings die Analyse ins Spiel. Und man sagt als Experte, dass diese Hybridmodell eine ganz gute Idee sei, alldieweil, man neben den Ferienhäusern auch auf zentrale Unterkunftsmöglichkeiten in Cancajos oder Puerto Naos angewiesen sei, um mit den Reiseveranstaltern eine angemessene Verhandlungsposition zu haben, was dann Flugverbindungen bringt. Wenn es um Problem geht, dann werden aber wieder nur die Ferienhäuser genannt. Mangelnde qualitative Kontrolle, mangelnde Infrastruktur in der Umgebung und Probleme mit der Servicelogistik wie Müllentsorgung und Verkehrsaufkommen, werden da aufgeführt. Hier würde Handlungsbedarf liegen und es sei wichtig das Feld zu regulieren. Für die Expertengruppe wirft die Anzahl von Ferienunterkünften eine Reihe von Fragen auf: „Kann ein Inselreiseziel zu stark von isolierten und wenig vermittelten Unterkünften abhängig sein? Wie lassen sich die Vorteile der Dezentralisierung (Einkaufsausgaben lokaler Touristen, individuelle Erlebnisse, Authentizität usw.) mit den damit verbundenen Kosten (Schwierigkeiten bei der Qualitätskontrolle, Belastung der Landschaft, oder Mangel an dezentralen Dienstleistungen im Gebiet usw.) in Einklang bringen?“ Und genau hier komme ich nun nicht mehr ganz mit. Urlaub auf La Palma funktioniert im Prinzip nur mit Auto, dabei ist es am Ende egal, ob ich vom Hotel aus starte, oder aus einem Ferienhaus in Puntagorda. Und bei den mangelnden dezentralen Dienstleistungen geht es eben in eine ganz andere Richtung. Ohne die Einnahmen von Ferienhausurlaubern, wären Bars und Restaurants, genauso wie kleine Geschäfte in manchen Gebieten schon lange verschwunden. Vor allem steckt in der „Kritik“ aber vielleicht ein Mangel an Kenntnis des „normalen“ La Palma Besuchers. Der weiß in der Regel nämlich ganz genau, auf was er sich da einlässt, und das Ferienhaus ist dann, in seiner Lage mit wenig Infrastruktur, ganz bewusst so ausgesucht. Natürlich verbucht sich der ein oder andere da auch mal, geht dann aber im folgenden Jahr in eine andere Unterkunft. Das ist im Übrigen auch mein Hauptkritikpunkt an den bisherigen Analysen des Inseltourismus. Wenn man mit den zuständigen Politikern ins Gespräch kommt, dann sind die immer verwundert, wie viele Menschen hier ein bis zweimal im Jahr aufschlagen, und das seit vielen Jahren. Die kennen sich hier aus und kommen eher wegen dem Mangel an Infrastruktur. Im Normalfall ist da auch eine Beziehung zu La Palma über Jahre gewachsen. Und das sind eben gar keine Hotelgäste. Manch einer mag beim ersten Mal über ein Pauschalangebot gekommen sein, hat sich dann in La Palma verliebt, und organisiert seinen Aufenthalt nun bedarfsorientiert. So gesehen funktionieren die Geschichten mit den Hotels eben schon. Wer aber bewusst einen Hotelaufenthalt in Cancajos bucht, der ist eigentlich kein typischer La Palma-Urlauber, kann es aber eben werden. Wobei die meisten, die zum ersten Mal nach hier kommen, dass ganz häufig auf Empfehlung machen, und sich dann entweder in die Insel verlieben, oder aber, wegen dem Mangel an Infrastruktur beim nächsten Mal wieder nach Teneriffa gehen. Das die Wissenschaftler der Uni von La Laguna nun zu dem Schluss kommen, dass dieses Hybride Modell, welches wir auf La Palma haben, also eine Mischung aus Ferienhäusern und Hotels eine Chance sei, die bislang einzigartig auf den Kanaren ist, da kann ich durchaus mit. Dass Probleme aber ausschließlich auf Ferienhäuser bezogen werden, da möchte ich widersprechen. Das sieht man an den Tourismusorten der anderen Inseln Stichwort „Masse“. Gerade wenn es um Nachhaltigkeit geht, ist vielleicht der ländliche Tourismus die bessere Wahl. Der La Palma Liebhaber hat nämlich auch durchaus Interesse daran, dass der Laden hier läuft, sprich die Bewohner hier über die Runden kommen. Der Einkauf von lokalen Produkten oder das Anmieten einer lokalen Unterkunft über einen lokalen Anbieter ist nämlich ganz häufig bewusst gewählt.

Man kann durchaus auch über die Probleme, die die Ferienhäuser mit sich bringen sprechen. Schwierigkeiten bei Geschichte wie Müllentsorgung, was natürlich Kosten verursacht und bei der Gemeinde liegen, die das dann an die „Normalbürger“ zurückgeben, gibt es natürlich. Bei großen Betrieben, ist das anders geregelt und der Betreiber muss da einen Obolus an die Gemeinde abdrücken. Da könnte man aber eben auch etwas machen. Auch die Verkehrsbelastung ist ein Problem. Wobei eine normalregulierte Unterkunft eben, ob groß oder klein, Steuern bezahlt, welche dann in den Ausbau der geschundenen Straßen fließen kann. Die Steuern bezahlt aber am Ende der Urlauber, weil das in der Preiskalkulation der Unterkunft ja mit drin ist. Die Geschichte mit der mangelnden Qualitätskontrolle der Ferienhäuser ist aber dann wieder etwas komisch. Mittlerweile darf man ja überall bewerten, was wir als Anbieter sogar eher ablehnen. Dass da nun tatsächlich ab und an Menschen, mit Eurozeichen in den Augen, Schindluder betreiben und die letzte Absteige auf Booking feilbieten, dass mag zwar so sein, aber man kann den Menschen auch durchaus mal zutrauen, dass die das selber entscheiden können, ob Sie so etwas buchen, oder eben nicht. Schließlich wollen wir ja auch mündige Urlauber haben, und manch einer hat vielleicht sogar bewusst recht niedrige Ansprüche. Und was mir immer noch fehlt ist eine Kundenanalyse. Wer kommt zu uns und warum. Dabei wäre es aber ganz wichtig zu schauen, dass man da nicht den Touristenverband, der in den Hotels Zettel auslegen, befragt, sondern sich an den Flughafen begibt und mit den Menschen spricht. Interessant wäre es zu wissen, wie viele tatsächlich „Wiederholungstäter“ sind. Und vor allem warum kommen diese Menschen nach La Palma und das eben teilweise immer wieder. Und vielleicht wundert sich da dann manch einer, dass La Palma als Urlaubsort ganz anders funktioniert, als der Rest.