Wann und wir ist noch nicht so klar, aber der spanische Ministerrat in Madrid hat bekannt gegeben, dass der Sitz des nationalen Zentrums für Vulkanforschung auf La Palma sein wird. Das ist super, schließlich haben wir uns das doch so sehr gewünscht. Unser bestreben, wissenschaftlich ganz nach oben zu kommen (Industrie haben wir nicht, Tourismus nur so lala und von den subventionierten Bananen wird man auf Dauer auch nicht fett), scheint auf offene Ohren gestoßen zu sein. Jetzt noch das TMT und dann geht hier aber der wissenschaftliche Punk ab. Aber der Punk kommt später, nun nochmal zum nationalen Zentrum für Vulkanologie. Wir hier sind der Hauptsitz und haben uns gemeinsam mit Teneriffa beworben, um zu verhindern, dass wenn wir beide den ganzen Kuchen haben wollen, einer komplett leer ausgehen wird. Den Zuschlag gab es nun, aus Mangel an Konkurrenz, bzw. auch aus Mangel an Vulkanen im Rest von Spanien. Wieviel wir nun von dem Kuchen bekommen, das steht aber noch nicht wirklich fest. Man hat zwar ein Konzept, gemeinsam mit denen von der großen Schwesterinsel eingereicht, aber, ob das am Ende so kommt, dass muss man nun mal schauen. Auf Teneriffa gibt es mit der Universität, und INVOLCAN eben schon entsprechende wissenschaftliche Einrichtungen und deshalb bietet es sich schon auch an, dass man die meisten Leute da drüben arbeiten lässt. Und so lässt die Formulierung, die da aus dem Ministerium für Territorialpolitik und Demokratische Erinnerung kam, kurz aufhorchen. Der physische Hauptsitz wird auf La Palma sein aber „Ergänzt wird dies durch das Wissenschafts- und Innovationsökosystem Teneriffas“. Deren Ökosystem ist eben schon recht groß und manch einer unkt, dass wir hier dann halt ein Büro bekommen mit einem Briefkasten dran. Ganz so wird es wohl dann doch nicht sein. Zumindest die repräsentative Anlaufstelle ist dann eben doch bei uns auf der Insel. Zudem geht Feldforschung hier auch noch ganz prima.
So und nun kommt der Punk. Also wirklich. Der Punk kommt nächsten Sonntag nach El Paso und bleibt da bis Montag, alldieweil da ja auch noch Feiertag ist. Im Lunatico findet das Canarias Calling Festival statt, in Kooperation mit dem OX-Fanzine, und deshalb ist das auch ganz offiziell ein „OXFEST“ auf La Palma. Sogar nicht mal das erste, das gab es letztes Jahr bereits, aber nun ist nun die Besetzung entsprechend dicker. Die Geschichte mit Canarias Calling stammt aus Berlin, wo einige Punkrocker, die aus Lanzarote stammen, versucht haben den Berlinern die Lärmmusik ihrer Heimatinsel näher zu bringen. Nun dreht sich die Geschichte um, und es kommen Ska und Punkbands auf die Kanaren. Am 6. Dezember ist bereits schon eine Veranstaltung auf Tenriffa, aber am 7. Und 8. dann bei uns. Neben einigen kanarischen Bands treten da „Los Fastidios“ (Antifa Hooligans) aus Italien auf, die sind schon eine richtig große Nummer, und auch „Blechreiz“ aus Berlin sind nicht unbedingt unbekannt. Das ist am Sonntag. Am Montag dann gibt die Berliner Church of Confidence, The Vageenas (super, ich bereite mich schon vor und höre kräftig rein) und Diggen & Rasta Knast. Diggen ist nicht irgendwer, sondern der ehemalige Sänger der Politpunkband „Slime“ aus Hamburg. Im Rahmen der Veranstaltung wird es auch noch einen Film mit dem Mann geben, der den Namen „Diggen, una vida entre Futbol, Anarquia y Punk“ trägt. Meine Frau und ich haben uns die Karten bereits gekauft, und überlegen nun, wie wir halbwegs würdevoll durch die Nummer kommen. Wir lästern ja gern ein wenig über die Leute die normalerweise auf solche Konzerte gehen, um sich und ihre verlorene Jugend feiern, aber ansonsten eher geriatrisch daherkommen. Stichwort: „In Würde verfallen.“ Jetzt erwischt es aber unsere eigene Jugend, da wir als früh politisierte Liebhaber der lärmenden Musik, mit Bands wie Slime groß geworden sind. Vorschläge des Nachwuchses, dass wir ja die übrige Haarfarbe vom kindliche Halloweenkostüm auf die Kopfhaut auftragen könnten, wurden bereits empört abgeschmettert. Nietenarmbänder haben wir auch nicht, und selbst eine löchrige Jeanshose zu finden dürfte schwer sein. So gesehen klappt das vielleicht dann doch mit dem Erhalt der eigenen Würde. Wobei „Würde“ eben immer auch ein Konjunktiv ist.
