Offensichtlich hat der Katalog über de insularen Hinterlassenschaften aus der Francozeit, der von Wissenschaftlern der Universität von La Laguna veröffentlicht wurde, etwas bewirkt. Aufgelistet sind dort Denkmäler und Straßennamen für Persönlichkeiten aus Zeiten der faschistischen Diktatur, verbunden mit der leicht unterschwelligen Forderung, dass die entsprechenden Gemeinden hier nun tätig werden sollen, und der Aufgabe, diese Orte umzubenennen, nachkommen. Das alles ist eigentlich in einem Gesetz zur demokratischen Erinnerung aus dem Jahr 2022 festgeschrieben und nimmt die Verwaltungen in die Pflicht. Aber nicht nur Denkmäler sind betroffen. Man ist auch verpflichtet, Eherungen von Persönlichkeiten aus dieser Zeit zurück zu nehmen, sofern sich diese auf Seiten der Diktatur beweg haben. In Santa Cruz de La Palma ist dies nun gestern passiert. Die PSOE, also die Opposition, hat einen Antrag eingebracht, der dann mit allen Stimmen des Stadtparlamentes angenommen wurde. Gleich zweimal wurde die goldene Ehrenmedaille der Gemeinde posthum wieder aberkannt. Die Medaille wurde 1942 eingeführt und dann in der selben Plenarsetzung gleich zweimal vergeben. Einer der geehrten war Franco selber, und der andere war Blas Pérez González. Dieser ist ein Sohn der Stadt und wurde, wenige Monate nach Verleihung der Ehrenmedaille, über einen Zeitraum von 15 Jahren spanischer Innenminister. Als Sohn der Stadt hat er sich in dieser zeit für die Belange seiner Heimat eingesetzt so wurde, auch durch seinen politischen Einfluss etliches gebaut, unter anderem das Postamt und die Avenida Maritma, die später dann auch seinen Namen trug, aber dann doch irgendwann lieber wieder einen unverfänglicheren Namen bekam. Auch die Büste, am Hafeneingang wurde entfernt. Mit der Entfernung des Gedenkens an diesen Mann, als Innenminister ja auch mit Hauptverantwortlicher für die Repression mit tausenden von Toten, hat man sich an verschiedenen Orten der Kanaren recht schwer getan. In verschiedenen Gemeinden findet sich der Mann immer noch als Namenspatron von Straßen, aber es war halt irgendwie einer von uns, und, unabhängig und vor seiner politischen Tätigkeit, galt er als anerkannter Jurist in ganz Spanien. Spannend an der Geschichte mit der Aberkennung der Ehrenmedaille der beiden unfeinen Herren, ist die Tatsache, dass bislang nur die Opposition, die den Antrag eingereicht hat, sich dazu geäußert hat. Trotz einstimmigerer Annahme des Antrags gab es von Seiten der Verwaltung da keine Meldung. Und schaut man sich an, wie sehr die Politische Rechte nun tobt und das Internet vollgeifert, auch wegen Franco, aber vor allem wegen dem „großen Sohn“ der Insel, der doch nur aus Versehen in die Politik gegangen ist. Und überhaupt müsse man in einer angeblichen Demokratie, doch auch eine andere Meinung haben dürfen, also die Demokratie ablehnen dürfen, alles andere wäre ja hochgradig undemokratisch. Außerdem hätte der Mann, oder sogar beide, doch auch viel Gutes getan, was irgendwie analog zur deutschen Autobahn daherkommt. Und deshalb ist die einfache und schlichte Begründung der PSOE, die den Antrag gestellt hat, für manche einfach zu hoch. „Während der gesamten Diktaturzeit wurden zahlreiche Menschenrechtsverletzungen begangen, wie Zeugenaussagen und zahlreiche historische Untersuchungen belegen. Hunderttausende Menschen starben in Konzentrationslagern, durch außergerichtliche Hinrichtungen oder im Gefängnis … die Beibehaltung dieser Auszeichnung für die genannten Personen ist eine Beleidigung der Opfer, und derer, die unter Repressionen litten, und aller Demokraten.“