Emilia nennt sich das Unwetter das da gerade über die Inseln fegt. Bislang sind wir auf der Insel ganz gut weggekommen. Aber wir haben es auch noch nicht hinter uns. Die maximale Regenmenge für gestern, war, laut Apalmet, bei der Station „Casa Forestal“ mit 46 Litern zu verzeichnen. Alle anderen Stationen hatten deutlich weniger. Der Wind pfeift aber ein anderes Lied. Gestern waren es in Santa Cruz de La Palma 109km/h (nicht durchgängig, sondern einzelne Böen, die da reinpfeifen). heute wurden auch bereits 96km/h am Flughafen gemessen, was nichts Gutes bedeutet. Eine kleine Binter ist bislang gelandet, der ganze Rest läuft unter „unbekannt“. Auf dem Roque sind die Temperaturen unter null gefallen und man kann, wenn die Wolken die darüber ziehen einen kurzen Blick zulassen, etwas weiße Pracht erkennen. Bislang ist, ob des Windes, nichts über irgendwelche Schäden bekannt, gestern Abend haben wir im Dorf sehen können, wie eine Böe die Absperrungen einer Baugrube ins Loch geblasen hat. Außerdem war da für 5 Minuten der Strom weg, aber man weiß nicht genau, ob das am Wetter lag, oder daran, dass das Rathaus bei seiner eigenen Weihnachtsfeier, die Anlage zu weit aufgerissen hat, sodass es in Verbindung mit der stattlichen Festbeleuchtung, einfach mal zu viel wurde. Neben den Warnhinweisen die der spanischen Wetterdienst AEMET veröffentlicht hat, gibt es auch seit gestern eine Warnung der kanarischen Regierung und des Zivilschutzes. Man möge bitte aufpassen, es könnte heftig sein. Auf Teneriffa gab es gestern schon 85 Notrufe, ob des Wetters, und im Prinzip wurde veranstaltungstechnisch alles, was draußen ist, auf null gesetzt. Hier auf der Insel ist das komplette Wanderwegenetz offiziell geschlossen.
Unabhängig vom Wetter gibt es aber noch andere Themen, die die Leute hier Beschäftigen. Eine ganz spannende Geschichte gibt es zum Thema nachhaltige Fischerei auf Thunfische, über die unsere lokalen Fischer gar nicht mal so glücklich sind, obwohl die ja, mit der Art wie sie hier Fischen (tatsächlich noch mit Angelrute und sehr regulierter Fangmenge), eben gar nicht die verantwortlichen, für den Rückgang der Bestände sind. Problematisch sind die großen Fangflotten, vom Festland und aus China, die große Mengen, teils in internationalen Gewässern, aus dem Atlantik ziehen, und partiell schon an Bord in die Dose quetschen. Die Internationalen Kommission zur Erhaltung des Atlantischen Thunfischs (ICCAT) hat nun mit der Unterstützung der EU und des spanischen Ministeriums für Landwirtschaft und Fischerei, den Plan gefasst, in den Gewässern der Kanaren Ringwadenfischerei einzuführen. Die Idee dahinter ist, dass man die Thunfische gewissermaßen einkerkert und anschließend weitermästet, bis man diese dann irgendwann aus den Gehegen holt. Im Vergleich zu den bisherigen industriellen Fangmethoden mag das vielleicht sogar ein prima Ansatz sein. Der Beifang und zu klein gerade Exemplare wird eben nicht direkt an Bord gehievt und anschließend tot wieder ins Meer gekippt. Allerdings war die ICCAT, die bereits in 1966 gegründet wurde, in der Vergangenheit unter Umweltschützern nicht sonderlich wohlgelitten. Früher gab es de offene Kritik, dass da unter dem Mantel der nachhaltigen Fischerei die Basis geschaffen wurde, auch noch den letzten Thunfisch aus dem Atlantik zu ziehen, aber mittlerweile, sprechen selbst Organisationen wie der WWF von einem Kurswechsel, obwohl man immer noch Kritik hat. Aber immerhin wurden in den vergangenen Jahren wissenschaftliche Erkenntnisse so verarbeitet, dass die Fangmengen entsprechen heruntergefahren wurden. Nehmen wir also mal mit gutem Willen an, dass der Vorschlag mit den Mastkäfigen, tatsächlich etwas mit Nachhaltigkeit zu tun hat, dann hätten wir aber im Anschluss eben industriellen Thunfischfang auf den Kanaren. Nachhaltig für den Fisch, im vergleich zu den momentanen Fangmethoden draußen auf dem Atlantik wäre dann tatsächlich gegeben. Über die Futtermittel, die da in die Becken geworfen werden, möchte ich nicht reden, das ist eine andere Geschichte. Für die lokalen Fischer, die in der Saison mit den kleinen Booten rausfahren und die Angel ins Wasser halten um einen von vier erlaubten Blauflossenthunfischen pro Boot und Saison zu fangen, wäre das aber har keine feine Geschichte. Und so melden sich nun die lokalen Verbände zu Wort und bitten die Politik sich auf ihre Seite zu schlagen. Es gehe nicht nur um den Fisch, sondern auch um den Erhalt der traditionellen kanarischen Fischerei, die neben der Tradition, die man ja erhalten müsse, der Inbegriff der Nachhaltigkeit sei. Nicht nur, dass der Fang mit großen Netzten und anschließender Mast den Fischern die Beute vor der Nase wegschnappen würde, auch ein Preisverfall, könnte auf den Kanaren damit einhergehen. Betrachtet man die Preise von Wolfsbarsch und Doraden, die vor La Palma in den Becken schwimmen, ist der Gedanke gar nicht so abwegig.