Wir haben hier auf der Insel wieder einmal ein großes Konzert. Das La Palma Blue Experience findet am 20 Dezember in Breña Alta statt. Dabei handelt es sich um Latino-Musik, also so gar nicht meins, aber wenn man sich die Werbung anschaut, dann scheint die Besetzung hochkarätig zu sein. International geht es da zu. Zum einen hat man Juanez, einen Kolumbianischen Sänger, bekannt geworden durch sein Lied über das Schwarze Hemd (la camisa negra) und zum andern Oscar de Leon, einen venezolanischen Salsa-Musiker, des schon etwas älteren Semesters, gebucht. Im Hinblick, dass der Mann in seiner Heimat noch bekannter ist als hier und gleichzeitig sehr viele Venezolaner hier leben, haben sich da sicher einige bereits ein Ticket gekauft und sich schon mächtig gefreut. Allerdings kommt der Mann nun nicht, und das eben nicht, weil ihm seine 83 Lenze Probleme auf einer so langen Reise bereiten, sondern wegen der Machtbestrebungen des Orangenmannes im Weißen Haus. Da flieht nämlich nichts nach Caracas und auch nichts raus. Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde LAA hat bereits im November gewarnt, dass das mit dem Betreten des venezolanischen Luftraums doof werden könne, weil man ja da einen Flugzeugträger in der Karibik stationiert hat, der im Ernstfall alles vom Himmeln holen könnte, was da so abhebt. Diese Warnung wurde nochmal erneuert, und nun hat Venezuela seinerseits reagiert, und hat die Berechtigungen von etlichen Fluglinien, das Land anzufliegen, entzogen. Unter anderem hat das die Iberia getroffen. Das hat nichts unbedingt was damit zu tun, dass man da selber den Ernstfall plant, sondern damit, dass die Fluglinien, ob der Warnung der Amis die Flüge nach Venezuela eingestellt hatten. Der autoritäre Maxe dort wollte sich nicht erpressen lassen und hat den Fluggesellschaften mitgeteilt, dass diese gefälligst kommen sollen, sonst würde er seinerseits die Anfluggenehmigung streichen. Und die Frist ist nun versstrichen, und das war es nun. Wobei das wahrscheinlich auch egal ist, weil die eh nicht gekommen wären, da droht ja wohl tatsächlich Ungemach.
Wir haben hier in Spanien auch Vogelgrippe, und deshalb hat alles Geflügel derzeit landesweit eine absolute Stallplicht, um den Kontakt zu etwaigen Wildvögeln, die bereits virustechnisch beladen sind, zu vermeiden. Dem wilden Vogel ist das natürlich egal, der fliegt wie er will, und deshalb haben wir seit gestern einen neuen Nachbarn der lauthals Rabatz macht. Hier gibt es ja die Raben, die, clever wie sie ganz gerne an touristischen Anlaufstellen hocken, um sich von den Besuchern das Essen direkt servieren zu lassen. Dass man den Raben nichts geben soll, das interessiert niemanden wirklich, weil das ja eine astreine Erinnerung ist, wenn man mit dem Vogel das eigene Vesperbrot geteilt hat und das womöglich auch noch fotografisch für die zuhause gebliebenen festhalten konnte. Der Rabe ist also eine Art Kulturfolger, und hält sich gerne da auf, wo die Menschen mit der Futtertüte sind. Neben dem Roque ist sich die Cumbrecita einer der bekanntesten Orte, wo Mensch und Vogel auf einander treffen. Die Cumbrecita ist aber gerade gesperrt, und wenn da keiner hinkommt, dann wird es für den Vogel auch weniger attraktiv. Natürlich ist das nun nur Spekulation, ob das der sich vernachlässigt fühlende Geselle der Cumbrecita ist, aber neuerdings sehen wir einen solchen Vogel bei uns in der Nachbarschaft. Und zwar oben am Aussichtspunkt der Kirche von Tajuya. Der Bus kommt, die Menschenmassen steigen aus. Und dann hört man schon das Gezeter aus der Luft. Gleich darauf landet dann der Rabe auf dem Geländer und schaut was es da so gibt. Die Besucher sind entzückt und der Rabe im Nachgang im besten Fall satt. Der Aussichtspunkt ist uns eh ein Dorn im Auge und auch der restlichen Nachbarschaft, sagt diese „Attraktion“ nicht wirklich zu. Wenn die Leute schön da oben bleiben, dann geht das ja. Nicht selten laufen die dann aber, voller Harn- und Tatendrang über die Straße, krakseln bei uns auf das Gelände und holen, zwecks Erleichterung, den Pillermann aus der Hose. Da das Gelände zum eigenen Heim abschüssig ist, haben wir da immer freie Sicht drauf. Das ist ekelhaft und vielleicht könnte man da mal einfach eine Toilette installieren, wenn man schon die Besucher anlockt. Dass da Leute den Vulkan schauen wollen, kann man ja nachvollziehen, aber die laufen dann eben auf fremde Grundstücke und schmeißen da auch ihren Müll die Böschung runter. Wenn man raus in den Garten geht, dann sieht man die auf dem Grundstück stehen und man weiß, dass die einen auch sehen. Dann wird gefilmt, wie wir gerade den Kompost rausbringen und die ganz guten meinen dann auch noch, dass man sich freut, wenn man uns zuwinkt. Momentan ist die Abwehrmaßnahme, dass wir bellen. Da sind die dann irritiert und schleichen schuldbewusst zurück zum eigentlichen Aussichtspunt.