Gemischte Gefühle und wechselseitige Beziehungen

Das was gestern in Venezuela passiert ist, beschäftigt uns auf La Palma und den Kanaren wahrscheinlich mehr, als die Menschen in anderen Regionen. Hier leben rund 100.000 Menschen, die dort geboren wurden, und umgekehrt gibt es rund 70.000 Canarios mit Wohnsitz in Venezuela, wobei die Behörden darauf verweisen, dass dies nur die offiziell registrierten sind, man gehe hier auch von bis zu 100.000 Menschen aus. Wir waren hier mal ein Armenhaus und die Leute sind reihenweise nach Südamerika gegangen, übrigens illegal und al Wirtschaftsflüchtlinge. In den letzten Jahrzehnten gab es dann eine verstärkte Migrationsbewegung in die andere Richtung, teils durch Nachkommen von Auswanderern oder auch von Menschen die hier, wegen der existierenden Verbindungen, die Kanaren als Ziel auserkorenen haben. Auch unser jetziger Inselpräsident, Sergio Rodriguez kam in Venezuela zur Welt, stammte aber aus einer palmerischen Familie. Bis zur Anerkennung von La Graciosa als eigenständige Insel, wurde Venezuela auch als die 8. Insel bezeichnet. Die Verbindungen sind also äußerst eng, fast jeder hat Familie, wenn auch entfernt, dort und fast jeder hat Freunde, die einen venezolanischen Pass haben. Das, was da gestern passiert ist, wird mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommen. Klar leben hier sehr viele Menschen, die der Opposition angehören, und so gut wie niemand hielt es mit Maduro. Und so haben sich gestern dann auch in Santa Cruz de Tenerife rund 200 Menschen spontan zum Feiern getroffen. Auf der anderen Seite wird nun aber auch zu Demonstrationen gegen das Vorgehen des Orangenmannes aufgerufen. Nicht unbedingt, weil man dem Maduro nachweint, sondern weil der Angriff der USA eben gegen das Völkerrecht verstößt, und die US-regierung gestern gleich mal klar gemacht hat, dass Sie nun das Sagen haben, wie es in Venezuela weitergehen würde. Und alleine die Ankündigung, dass, wenn die bisherige Vizepräsidenten Delcy Rodriguez, nicht nach der US-Pfeife tanzen würde, dann würde man da militärisch weiter zündeln, beunruhigt so einige. Und so fallen nun auch die Reaktionen aus der Politik entsprechend aus. Es ist eher die Rede davon, dass wie gerade mitbekommen, wie Geschichte geschrieben wird, aber man beobachte die Entwicklung mit Sorge und habe vor allem die in Venezuela lebenden Canarios im Blick, denen man über diverse Organisationen in Kontakt stehen würde. Allerdings wird mit der ganzen Geschichte auch in Spanien schon wieder Politik betrieben. Man bezeichnet die Entführung Maduros als politische Niederlage der sozialistischen Regierung, obwohl diese den Wahlsieg von Maduro in 2024 nie anerkannt hat. Der ehemalige Ministerpräsident Zapatero rückt nun ins Licht der Öffentlichkeit. Dieser war in der Vergangenheit in der Kritik, weil er als Wahlbeobachter nach Caracas gereist war, und weil er als inoffizieller Vermittler zwischen Madrid und dem Maduroregime tätig war. Die politische Rechte fordert nun nicht nur juristische Konsequenzen gegen den Mann, ohne eine entsprechende Grundlage zu nennen, man möchte auch einen sofortigen Rücktritt der momentanen Regierung Sanchez, dass diese nach der letzten Wahl, die Maduro Regierung nicht anerkannt hat, ist da freilich egal. Und man sieht nun auch, wie die Opposition teilweise tickt. Der inoffizielle aber von vielen Ländern anerkannte Wahlsieger Edmundo Gonzalez, der Wahl 2024, den sich Trump als neuen Staatschef in Caracas vorstellen kann, hat sich auch schon zu Wort gemeldet. Dieser träumt öffentlich davon, dass die Amerikaner nun auch den ehemaligen spanischen Ministerpräsidenten Zapatero entführen sollten. Ob da nun tatsächlich ein Wandel Richtung Demokratie sattfinden wird, da ist man sich eben nun gar nicht so sicher. Die ganze Geschichte wird uns auf jeden Fall hier noch lange beschäftigen. Auch weil unter Umständen hier, je nach Entwicklung, eine Migrationsbewegung, denkbar in zwei Richtungen, von statten gehen könnte.