Heute ist alles ruhig

Heute ist der Beschenkungstag in Spanien und somit auch auf La Palma. Alle sind zuhause und bei der Familie, um sich gegenseitig königliche Gaben zu überreichen. Die Kinder sind schon seit den frühen Morgenstunden, zwecks Bescherung auf den kleinen Beinen, um zu schauen, was die drei orientalischen Gesellen gebracht haben. Irgendwann geht man dann doch noch nach draußen, weil einem zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, und außerdem wollen Roller, Rollschuhe, Fahrräder und kleine elektrische Autos, die beschert wurden, auch ausprobiert werden. Wie das dann aussieht, lässt ganz gut im Hafen von Tazacorte beobachten, da gibt es ordentlich Platz, die Sonne ist auch zu sehen, und die Erwachsenen können sich auch ein wenig die Füße vertreten. Wer heute noch Müll wegbringen will steht häufig vor einem großen Problem. Das ganze Verpackungsmaterial wurde teilweise entsorgt, und somit sind die grauen Behälter bis oben hin voll. Wer sein Zeug nicht flegelhaft neben der Tonne platzieren möchte, der sollte sich überlegen, ob man den Unrat nicht noch etwas zwischenlagern kann. Nun ist Weihnachten auch hier vorbei und man kann den Plastikbaum vom Chinesen wieder einpacken, worüber der Familiengrinch nicht unfroh ist. Und auch wenn ich das mit der festlichen Stimmung nicht so habe, freue ich mich doch immer über die Ankunft der Könige. In allen Gemeinden schauen die am Vorabend des Dreikönigstages vorbei, und ziehen festlich gewandet durch die Straßen. In El Paso wird das gerne traditionell gehalten, und neben den Königen treten noch unzählige, aufwändig kostümierte Menschen auf. Als Diener oder Wächter, mit orientalischem Einschlag verkleidet laufen da etliche Personen mit den Königen von der Kirche bis zur Gemeindehalle, wo sich dann Kaspar, Melchior und Baltasar hinhocken, um von hunderten aufgekratzten Kindern, die Wunschzettel entgegenzunehmen. Die Eltern erhaschen nochmal einen letzten Blick auf die Anforderungsformulare und haben dann die Möglichkeit nochmal schnell los zu düsen und die letzten Gaben zu erwerben. Schließlich haben die Geschäfte teilweise bis spät in die Nacht noch offen. Etwas Zeit hat man ja noch. Nach der Übergabe der Wunschliste gibt es dann noch Kekse und heiße Schokolade, welche traditionell von den Gemeindeoberen ausgeschenkt wird. Somit sind die Kinder noch etwas hingehalten. Nicht überall geht man aber so traditionell dem Einzug der Könige um. Manchmal tauchen neben den Königen auch plötzlich Mickey Mäuse, oder Marienkäfer auf, worauf dann zumindest die ganz Kleinen entsprechend abfahren. Mal kommen die Könige auch auf Kamelen eingeritten, oder dann eben entsprechend modern im Cabrio, weil man da den Kindern auch huldvoll winken kann. Ganz dicke war es auf der Nachbarinsel Teneriffa. Da kommen die Könige ins Stadion geflogen, und das mit dem Helikopter. Bei der ganzen Geschichte ist es wichtig, dass man den Kindern die Sache einfach entsprechend verkauft. Und so gesehen ist das ja gar nicht so blöd. Nicht wenige glauben im Alter von zehn Jahren noch an die Existenz der Geschenkebringer, und wenn es die wirklich gibt, warum sollen die dann nicht mit der zeit gehen und das Auto nutzen. Auch der Hubschrauber lässt sich argumentativ an die glaubenswillige Nachkommenschaft verkaufen. Schließlich müssen die ja auf der ganzen Welt auftauchen und haben es deshalb entsprechend eilig. Da ist zu ein Heli ja nicht unpraktisch. Der Weihnachtsmann hat ja auch einen fliegenden Schlitten. Die Kinder aus Santa Cruz de La Palma dürften gestern aber etwas enttäuscht gewesen sein. Wetterbedingt wurde der opulente Einzug einfach abgesagt, und man hat eine kleinere Veranstaltung drinnen abgehalten. Das war dann gestern. Neben der Geschenkübergabe gibt es aber heute noch weitere wichtige traditionelle Geschichten. Zum einen haben wir noch den kleinen Bruder der Weihnachtslotterie. Der nennt sich El Niño und die Verlosung findet immer gegen Mittag statt. Alles etwas kleiner, aber ein zehntellos kostet ebenfalls € 20,- und es gibt sogar eine noch etwas größerer Streuung der Gewinne. Zum einen, weil der Hauptpreis nur die Hälfte der Weihnachtslotterie ausmacht, was mehr kleinere Gewinne zulässt, und zum anderen, weil die Serien, die zum Gewinn führen weitflächiger über Spanien verteilt sind. Und somit hat es auf Teneriffa und auf Gran Canaria mehrfach den ersten Preis (200.000,- / Zehntellos) gegeben. Auf La Palma war wieder gar nichts, auch nicht Gewinne der zweiten oder dritten Kategorie. Auch hier hat man im Normalfall pro Kopf mindestens ein Los gekauft und gehofft, dass nachdem die Weihnachtslotterie komplett an der Insel vorbeigeschrammt ist, wenigstens El Niño was dalässt.  Dann gibt, oder gab es heute noch den Roscón, also den spanischen Dreikönigskuchen. Dabei handelt es sich um einen Kranz aus Hefeteig, der einfach viel zu süß ist. Gefüllt ist das dann meist noch mit einer dicken, und noch viel süßeren Schicht aus Creme oder Sahne. Man kauft diese Teile einfach im Supermarkt. Innen im Kuchen gibt es dann zwei kleine Überraschungen. Zum einen ist da eine kleine Königsfigur, und man weiß auch nicht welche. Wer den König bekommt, der darf den Rest vom Tag die mitgelieferte Papierkrone tragen. Dann gibt es aber auch noch die Arschkarte in Form einer kleinen Plastikbohne. Die will niemand haben, weil man dann der oder die Verliererin ist, und im nächsten Jahr den nächsten Kuchen kaufen muss. Gut integriert machen wir das auch in der Familie mit. Und eigentlich mag ich, als gebürtiger Schwabe, ja Hefekranz ganz gerne, aber diese Zuckerbombe geht für mich einfach nicht. Ein kleines Stück habe ich verputzt und nix gefunden. Aber davon war auch auszugehen. Seit Jahren haben wir die Tradition, dass Sohnemann den König erwischt, was statistisch auch logisch ist, schließlich futtert er den größten Anteil des Kuchens. Meine Frau bekommt, und das ist gute Tradition, immer die Bohne, was so langsam zu etwas Frust führt.