Ich durfte nichts sagen…

Meine Frau hat es mir verboten, dabei war es ihr mindestens genauso unangenehm wie mir. Wenn man im Büro von Cabildo in Los Llanos sitzt, weil man da Papiere für den Sohnemann beantragt, dann bekommt man ja immer mit, was die anderen Bittsteller da so umtreibt. Letzte Woche kam da eine nichtpalmerische Frau rein, die fragte, wo man denn den Einspruch gegen etwaige Enteignungen zwecks Neubaus der LP 2 einlegen könne. Die Rathäuser, also Los Llanos und El Paso, hätten an GESPLAN verwiesen und die wiederum ans Cabildo. Die freundlichen Leutchen dort waren aber auch überfordert mit dem Anliegen und meinten, dass man hier nur für Anträge zuständig sei, und sie möge sich doch bitte an die Abteilung für Infrastruktur in Santa Cruz wenden und haben ihr die Nummer rausgesucht. Ich war erstaunt, wie hilfsbereit die da direkt waren, obwohl mit der Situation, und der Zuständigkeit, offensichtlich überfordert und, wie dann aus der Unterhaltung zwischen denn Mitarbeitern hervorging, auch erstaunt ob des Anliegens. Innerlich wuchs in mir aber die Anspannung, und ich wollte schon den Mund aufmachen, und fragen, warum man den da widersprechen möchte. Meine Frau machte mir aber unmissverständlich klar, dass ich auf jeden Fall die Klappe zu halten hätte. Die kennt mich gut, und weiß, dass solche Aktionen häufig dann nach hinten los gehen. Also murmelte ich irgendwas in meinen Dreitagebart vor mich hin, während gefühlt die halbe Belegschaft damit beschäftigt war, an die Info zu kommen, wo man denn das tatsächlich machen könne. Natürlich hat man, nachdem das Gesetz zu den Enteignungen durch die kanarische Regierung veröffentlicht wurde, das Recht gegen die Wegnahme des Eigentums zu protestieren und da Einspruch ein zu legen. Wir leben hier schließlich in einem Rechtsstaat, und das ist auch ganz prima so. Aber da geht es um Ländereien, auf denen meterdick die Lava liegt, wo man rein gar nichts mit anfangen kann, und welche auch dadurch einen finanziellen Nullwert haben. Jetzt geben die einem für das Enteignen aber Geld, und die Kohle ist sicher mehr als das, was das Land, nach dem es mit der Lava vollgelaufen ist, reell wert ist. Wer also Land auf der neu zu bauenden Strecke besitzt, hat Glück im Unglück. Klar war das mal ganz schön, aber jetzt lässt sich da nichts mit anfangen. Wenn aber nun jemand kommt, und es dir abkauft, weil er da die Straße bauen will, dann ist das doch im Prinzip eine prima Sache. So gern hätte ich das der Frau kurz erklärt, auch weil ich die Einspruchseinlegung dermaßen unsolidarisch empfinde, schließlich brauchen wir diese vermaledeite Straße ganz dringend. Ich habe das bei anderen schon mitbekommen, welche sich darüber gefreut haben, dass ihre Bananenfinca geteilt wurde, weil da nun postvulkanisch eine Straße drüber gebaut wurde. Nicht nur, dass sie vielmehr Geld bekommen haben, als das Land in Wirklichkeit wert hatte, durch die Straße hat man nun zwei Parzellen, und beide verfügen nun über einen Stromanschluss. Wir selber können auch mit rund 700 qm unseres Grundstücks nichts anfangen, weil da das Cabildo die Finger drauf hat, Vielleicht will man da irgendwann die Hauptstraße verbreitern. Zumindest in den Plänen ist diese Option enthalten. Dann macht doch bitte! Ich verkauf es euch! Und seit so nett und macht mir dann gleich eine Zufahrt aufs Grundstück, wenn ihr da eh werkelt. Im Moment dürfen wir da nämlich gar nichts machen. Letzte Woche habe ich noch gewitzelt, was wohl passieren wird, wenn da jemand nicht mitmacht und sich quer stellt. Dass da nun direkt jemand kommt, hätte ich nicht erwartet. Aber da muss nun erstmal die richtige Stelle gefunden werden, und im Nachgang meinte einer der Mitarbeiter dort, dass rein rechtlich wohl doch das Rathaus zuständig wäre. Und bei solchen Projekten auch die zu enteigneten Parzellen öffentlich aushängen müsse, was aber im Rathaus von Los Llanos wohl nicht passiert ist, vielleicht weil die eh nicht geglaubt haben, dass da tatsächlich jemand Einspruch einlegen wird. Man bekommt ja schließlich eine Entschädigung für das abtreten der Ländereien. Mir kam das eher so vor, als ob die Frau gelesen hat, dass man da Einspruch einlegen kann und dann wohl noch vom deutschen befreundeten Anwalt den Tipp bekommen hat, das auf jeden Fall erst einmal zu machen, weil das ja Sicherheit gibt. Und natürlich hat man da jedes Recht, das so zu handhaben. Albern finde ich es dennoch.