Da tut sich Widerspruch auf

Wir bekommen eine permanente Meerwasserentsalzungsanlage auf die Insel. Gebaut wird diese in Breña Baja. Mit großen Worten ging der Baubeginn von statten und man rühmte sich, dass da die beste Anlage sei, die es überhaupt eben würde. Im Guinnessbuch der Rekorde steht der Apparat, weil er so wenig Energie verbrauchen würde wie sonst keine Anlage weltweit, bei vergleichbarer Leistung. Von 20% weniger ist da die Rede. Da ist ja toll, möchte man denken, so fortschrittlich und umweltbewusst kommen wir daher. Allerdings gibt es nun von verschiedenen Stellen massiven Widerspruch, sowohl was die Umweltverträglichkeit, als auch die Sinnhaftigkeit der Installation angeht. Gestern beschwerte sich bereits die Partei „El Drago“. Dabei handelt es sich um eine Partei aus dem linksgrünversifften Spektrum, die der Ansicht ist, dass es sich dabei um eine Täuschung handeln würde. Auf verschiedenen Ebenen kritisiert man das Vorhaben, und verweist auch darauf, dass man dieses bereits in der Vergangenheit getan hätte, schließlich ist die Idee der Entsalzungsanlage ja nicht neu. Man stellt generell die Notwendigkeit in Frage, und meint, dass solange in manchen Gemeinden über 50% des Wassers verloren gehen würde, der Bau einer kosten- und energieintensiven Anlage ein mittelprächtiger Witz sei. Zudem habe man bislang überhaupt nicht den wirklichen Bedarf für die Landwirtschaft, die dieses entsalzte Wasser erhalten soll, ermittelt. Man würde also etwas installieren, was unter Umstaänden gar nicht nötig sei. Da die Anlage auch das ganze Jahr arbeiten soll, also auch im Winter, wenn gar nicht oder kaum bewässert wird, rechnet man sogar damit, dass man das gewonnene Gießwasser sogar zurück ins Meer fließen lassen müsse. Solange kein Plan auf der Insel existiere, welcher den tatsächlichen Bedarf für die Landwirtschaft beinhalte, sei eine Entsalzungsanlage nicht gerechtfertigt. Zudem sei auch ein etwaiger höherer Bedarf ohne Probleme abzudecken, wenn man nur die Wasserleitungen und die Verluste in den Griff bekommen würde. Dies sei aber eben mit einem höheren Aufwand verbunden und es müssten private und öffentliche Institutionen zusammenarbeiten. Wasser ist auf der Insel Privatsache, sprich, die sogenannten Wasserbarone, die über das kostbare Nass verfügen, verdienen sich an der Landwirtschaft eine goldene Nase. Solange genug Wasser durch die undichten Leitungen der Brone fließt, können die das verkaufen, ganz egal wieviel abfließt. Wichtig ist nur, dass beim zahlenden Verbraucher genug ankommt. Da muss man dann keine Leitung reparieren. Diese Geschichte um das Wasser ist ein ewiger Zankapfel auf unserer Insel, und die Unterstellung, dass die Politik, den finanzstarken Wasserhändlern nicht ans Bein pinkelt, zieht sich durch und betrifft auch alle Parteien, die hier in Regierungsverantwortung sind oder waren.

Wegen dieser Zankerei um das Wasser gibt es hier auch schon ewig Bürgervereinigungen, die eine Änderung des Feudalesystems anmahnen. Die potenteste ist „Aqua para La Palma“, die sich nun auch zu Wort meldet und in einer Presseerklärung den Bau der Entsalzungsanlage als „ungerechtfertigt und unverantwortlich“ ablehnt. Die Argumentation deckt sich weitestgehende mit der von „EL Drago“ geht aber an entscheidender Stelle noch weiter. Kritisiert wird auch, dass es sich bei der ganzen Geschichte um eine Täuschungsmaßnahme handeln soll. Die Inselregierung hat das Projekt nämlich über ein „Notstand“ laufen lassen. Das ist mittlerweile, vor allem im vulkanischen Nachgang hier gute Sitte. Man bekommt Geld von au0ßerhalb, hat weniger Auflagen und kann schneller agieren. Ein tiptop Instrument also, um Infrastrukturprojekte zu bewerkstelligen. Aqua para La Palma ist aber der Ansicht, dass wir auf der Inselk gar keinen Wassernotstand haben. Schließlich seien ja die Becken nach zwei Jahren mit ordentlich Niederschlägen recht gut gefüllt, und wenn dann sei der Notstand, wegen Lecks und Becken und Leitungen hausgemacht, und hätte nichts mit dem Vulkan zu tun.  Mit dem Vulkan argumentierte aber die Inselregierung. Schließlich würde es im Aridanetal weniger Wasserdurchfluss durch die Brunnen geben. Ein Bericht des Geologischen und Bergbauinstituts (IGME) würde das auf vulkanische Gase oder auf Versalzung zurückführen. Die Bürgerinitiative ist aber der Ansicht, dass der Grund eben bei der Versalzung liegen würde, durch nachfließendes Meerwasser, weil zu viel Wasser abgesaugt wurde. Hierzu hat man selber einen Untersuchungsbericht des Chemikers Julio Muñiz vorgelegt. Dies lasse die Schlussfolgerung zu, dass es nichts mit dem Vulkan zu tun habe, und somit könne auch nicht von einem Notstand gesprochen werden. Schließlich gebe es das Problem schon seit Jahren, nur sei man nie an einer nachhaltigen Lösung interessiert gewesen und sei es auch jetzt nicht.

Die Kritik an der angeblich umweltfreundlichen Technik, weil Rekordhalter in Sachen niedrigem Energieverbrauch geht aber weiter. Nur weil die Anlage 20% weniger Energie verbrauchen würde, wie andere vergleichbare Modelle, macht es eine Entsalzungsanlage noch lange nicht umweltfreundlich, so argumentieren El Drago und Aqua para La Palma. Der Energieverbrauch bleibe hoch und in Anbetracht der Tatsache, dass der allergrößte Teil der Energie auf La Palma nach wie vor aus fossilen Energieträgern stammt, sei die Argumentation, dass die Anlage umweltfreundlich sei, nicht haltbar. Hinzu käme die Topografie der Insel. Das Wasser, welches auf meereshöher gewonnen werde, müsse anschließend noch den Berg hinaufgepumpt werden.