„La Palma ist der Ursprung dessen, was wir heute als demokratisches Gedächtnis kennen, und wir müssen die Rolle der Insel in der Geschichte unseres Landes anerkennen. Wir möchten dieses historische Ereignis mit einer Dokumentation bewahren und verbreiten, die Zeugenaussagen und bisher unveröffentlichtes Fotomaterial enthält … Es ist ein Projekt, das wir mit Stolz und Sorgfalt umsetzen werden.“ So verkündete es gestern die Präsidialamtsleiterin der kanarischen Regierung, Nieves Lady Barreto, bei einer Pressekonferenz im Rathaus von Los Llanos. Es wird ein Dokumentarfilm gedreht und die kanarische Regierung bezahlt das. Das mit dem „demokratische Gedächtnis“ war nicht immer so, aber heute gibt es in Spanien sogar ein eigenes Ministerium, welches sich mit dem Verlust der Demokratie, durch den francistischen Putsch und der Wiedererlangung nach dessen Tod beschäftigt. Dabei geht es auch um die Aufarbeitung der Diktatur, welche in den ersten Jahren nach Francos Tod, gerne des lieben Friedens Willens unter den Teppich gekehrt wurde. Und bei der Geschichte kommt unserer Insel eben auch eine entsprechende Bedeutung zu. Lange hat es gedauert, bis man sich öffentlich und auch von Seiten der Verwaltung mit der eigenen Vergangenheit befasst hat. Und La Palma war der erste Ort in Spanien, wo die Exhumierung von Ermordeten durch den Putsch gerichtlich angeordnet wurde, was immerhin bis 1994 gedauert hat. Die Rede ist von dem Massengrab bei der Pino del Consuelo, welche mittlerweile auch offiziell zum Denkmal für das Demokratische Erbe ernannt wurde. Dort wurden damals 5 Ermordete gefunden: Francisco Rodríguez Betancort, der letzte republikanische Bürgermeister von Los Llanos de Aridane, José Ruperto, Antonio Fernández Acosta, Manuel Peña und Antonio Hernández González.
Die Initiative zu der Suche kam damals von Angehörigen und Privatpersonen, nachdem ein Mann, der im Sterben lag, sein gewissen erleichtert hat, und erzählt hat, wo man die Hingerichteten zu suchen hätte. Der Journalist und Historiker Javier Rodríguez, der bei der Pressekonferenz anwesend war, wird gemeinsam mit der Filmemacher Besay Viña das Projekt leiten. Dabei soll nicht nur der historische Teil beleuchtet werden, sondern auch die familiäre Geschichte der Hinterbliebenen betrachtet werden, die mit der Suche in Eigeninitiative begonnen haben, und ihre Angehörigen teils mit Händen ausgegraben haben, was später zum ersten juristischen Prozess in Spanien für die Ermordeten der Diktatur geführt hat. Die Beteiligung von Javier Rodriguez ist auch deshalb von Bedeutung, da es sich bei dem Mann um den Urenkel des ermordeten Bürgermeisters von Los Llanos Francisco Rodríguez Betancort handelt, und dadurch auch das eigene Familienarchiv und Interviews mit Zeitzeugen, der ersten Ausgrabungen, möglich werden. Auch der heutige Bürgermeister von Los Llanos war bei der Pressekonferenz anwesend und erinnerte daran, dass die sterblichen Überreste von Betancourt nach der Exhumierung im Rathaus aufgebahrt wurden, und anschließend mit militärischen Ehren beigesetzt wurde. „Dies war dem Mut des damaligen Bürgermeisters Juan Ramón Hernández Gómez zu verdanken, der diese Entscheidung in einer Zeit der Kontroverse traf, als es noch Stimmen gab, die sich gegen diese Anerkennung aussprachen.“ „Dieses vom regionalen Präsidialamt geförderte Dokumentarfilmprojekt gibt denjenigen Gerechtigkeit, die unter Repressionen litten, und ermöglicht es uns, unsere Wurzeln zu kennen, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.“. Und ja, die Nummer ist nach wie vor nicht wirklich durch, liest man sich nur die Kommentare zu den entsprechenden Pressebeichten durch. Was heute, seitens der Politik klar zu sein scheint, ist bei einigen dann eben immer noch nicht angekommen. „Also haben die Roten gewonnen“ ist da zum Beispiel zu lesen, was dann eben zeigt, dass die Idee, dass man über das passierte einfach schweigen sollte, noch nicht ganz weg ist. Und nein, bei den Fünfen, die da an der Pinie gefunden wurden, handelt es sich eben nicht im Bürgerkriegsopfer, sondern um Demokraten, die verschleppt und von den Faschisten ermordet wurden.