Hurra gemeldet

Manche Überschriften verunsichern mich ein wenig. Heute ist in nahezu sämtlichen Onlineportalen der Zeitungen zu lesen, dass wir auf La Palma die höchste prozentuale Bettenauslastung der Provinz hatten. Ich komme bei der Vermeldung des Superlativs, sprich wir haben mehr als die anderen, und sind deshalb die Größten überhaupt, nicht ganz mit. Während die anderen Inseln, massentouristisch gebeutelt, nach dem Winter nach Erholung japsen, freuen wir uns, mal ganz vorne zu sein. Die Meldung scheint dann auch bei der Bevölkerung gut anzukommen. Allerdings stellt diese Tatsache ja erst einmal gar keinen Wert dar, und man kann sich auch nix von kaufen. Die Auslastung über die heilige Woche lag auf unserer Insel wohl bei 85,62% wohingegen Teneriffa nur 83,21% hatte. Dass sind ganz gewaltige Unterschiede, vor allem wenn man bedenkt wie viele Betten die dort haben und wie viele wir. Oder anders beschrieben. Mein Bruder war zu Besuch über Ostern, und wir haben ein Klappbett aufgestellt. Rein mathematisch betrachtet, lag die Auslastung der betten im Haushalt damit bei 125%, und damit weit über der Insularen Auslastung. Somit ist die Geschichte natürlich in mit dieser Überschrift erstmal nur Quatsch. Viel wichtiger ist dabei, dass man sich die komplette Bettenzahl der Insel anschaut, und wie die sich verteilt.

Hierzu gab es die Tage nämlich auch einen sehr interessanten Bericht, und man wünscht sich dann doch irgendwie, dass die lokalen Politiker über die Zahlen nachdenken. La Palma verfügt derzeit, offiziell, über 13.522 touristische Betten. Spannend dabei ist die Verteilung. 52,1% entfallen auf Ferienhäuser/Wohnungen. Hotelbetten machen 31,9% aus und 16% sind Appartements. Also ähnlich wie Hotels, aber mit Selbstversorgung. Wenn die Lokalpolitik in den letzten Jahren immer wieder verkündet, dass wir mehr Hotels benötigen, dann sollten die mal in sich gehen und die Auslastungen der Ferienhäuser mit denen der Hotels vergleichen.  Und diese Zahlen sagen dann nämlich aus, dass der gewöhnliche La Palma Urlauber dann eben ganz gern in ein Ferienhaus geht. In den ersten 3 Monaten waren die laut des Lehrstuhls für Tourismus an der Universität von La Laguna, zu 94,3% ausgelastet. Wohingegen die Hotels und Aparthotels nur 70,5% Auslastung vorweisen können, und das, obwohl man in den letzten Jahren verstärkt auf das pauschale Pferd gesetzt hat, und vor allem aus England Maschinen mit Bewohnern für Los Cancajos an Bord, nach La Palma glotzt hat. Wir haben also keinen Platz mehr in den Ferienhäusern, im Hotel aber schon noch. Dass auf LA Palma die touristische Infrastruktur anders ist wie auf den anderen Inseln (Ausnahme El Hierro und La Gomera), hängt zum natürlich auch mit der Struktur der einzelnen Inseln zusammen. Hier hat man keine langen Strände, die der Pauschale im Urlaub will, und diejenigen die hierherkommen, machen das eben deswegen und gehen deshalb dann auch ganz gerne in ein Ferienhaus, statt in einen Hotelbunker. Das La Palma Publikum ist halt ein spezielles. Und nach wie vor scheint das aber noch nicht bei den Zuständigen angekommen zu sein, dass der Köder dem Fisch schmecken muss, und nicht dem Angler. Und hier befinden sich dann eben andere Fische, wie auf Teneriffa. Man merkt das zum Beispiel im Umgang mit dem neuen kanarischen Tourismusgesetz. Im Prinzip geht es bei der Geschichte darum, die Anzahl der Ferienhäuser zu begrenzen, weil, vor allem auf den großen Inseln, die Sache aus dem Ruder gelaufen ist. Der Großteil derer, die dort entsprechend mieten, macht das ja gar nicht, weil man integrativ wohnen möchte, sondern weil das billiger ist, als in einem Hotel. Dadurch ist ein Markt, auch für Spekulanten entstanden, die da Wohnungen kaufen und in Ferienwohnungen umgewandelt haben. Das neue Gesetz hat etliche Schwächen und wurde unter tatkräftiger Einflussnahme der Hotellobby gestaltet. Aber eine Geschichte ist dabei tatsächlich ganz gut. Die einzelnen Gemeinden haben einen Höchstwert an Ferienwohnungen, im Verhältnis zum Wohnraum aufs Auge gedrückt bekommen, und müssen das dann entsprechend gestalten, wo noch was geht, wo keine Lizenzen mehr erteilt werden, weil entsprechender Bedarf an Wohnraum besteht. Also ein sauberes Instrument, wie man den Zuwachs der Ferienwohnungen entsprechend begrenzen kann, und zwar auf lokaler Ebene. Dazu sind die Gemeinden verpflichtet, ein entsprechendes Konzept zu erstellen, welches dann als Grundlage dienen soll, welche Lizenzen verlängert und welche neu erteilt werden können. Auf den 3 grünen Inseln erkennt man sogar an, dass unsere Art von Tourismus anders funktioniert. Sprich wir bekommen 20% Ferienwohnungen zugestanden. Hier muss aber auch jede Gemeinde, und deren gibt es viele, welche teilweise arg klein sind, muss so einen Plan machen. Das benötigt Personal. Am ende soll auch die Gemeinde die entsprechende Lizenz vergeben, was freilich entsprechend Arbeit darstellen wird. Und deshalb legen die Gemeinden nun wohl Wiederspruch ein, oder haben das schon gemacht. Das birgt dann aber die Gefahr, dass die Sonderstellung der drei grünen Inseln am Ende vielleicht wieder verschwindet. Und betrachtet man den Urlaubertyp, den wir hier haben, könnte die Nummer dann nach hinten losgehen. Wir reden von über 17 Millionen Euro nur an Übernachtungskosten, die in den ersten 3 Monaten nach La Palma gespült wurden, und der größte Anteil kommt eben aus den Ferienhäusern. Deswegen ist es dann vielleicht gar nicht so clever, dass die Gemeinden die Hoheit, diese Einnahmequelle zu selbst zu managen, gar nicht haben wollen.