Bitter beschwert hatte sich gestern der Kanarenpräsdent Clavijo, weil da ja das Kreuzfahrtschiff mit dem Virus an Bord zu uns kommen soll. Man sei nicht gefragt und nicht eingebunden gewesen, so der Ministerpräsident. Und das würde nicht gehen, weil die Gesundheitsversorgung ja Sache der autonomen Regionen sei, und deshalb hätte Madrid da nichts zu entscheiden. Munter hat man die Gefahr für die lokale Bevölkerung ins Feld geführt, und hat dabei lamentiert, dass wenn Spanien das Schiff anlegen lassen will, dann doch bitte nicht bei uns. Dank asozialer Netzwerke ging das binnen Stunden kräftig durch die Decke. Aufrufe zu Demonstrationen und zur Hafenblockade kursieren. Wir seinen hier keine Kolonie von Madrid, so heißt es an jeder Ecke, und es wird stimmungsmäßig mächtig auf das Konto der Nationalisten eingezahlt. Die Regierung in Madrid widersprach prompt und meinte, dass bereits am Dienstag Kontakte stattgefunden hätten, als dann klar war, dass das Schiff auf die Kanaren kommen soll. Auch am Montag habe man bereits mit den Behörden der Kanaren Rücksprache gehalten und die damalige Position, dass man darauf hinarbeiten sollte, dass die Passagiere doch auf den Kapverden von Bord gehen, besprochen. Die WHO, die aber dafür zuständig ist, und die ganze Geschichte koordiniert, hat sich dann eben mit Madrid abgestimmt, dass der Plan so nicht funktioniert, und man hat dann eben zugesagt, dass das Schiff auf die Kanaren kommen darf und dann prompt die kanarische Regierung informiert. Clavijo, der erst anderes behauptet hat, und zu dem Zeitpunkt in Brüssel weilte, hat dieser Darstellung dann auch nicht mehr widersprochen. Dennoch ist die Stimmung in der Bevölkerung nun extrem angeheizt, und Clavijo meinte noch heute morgen, dass man die Ankunft der MV Hondius unbedingt verhindern müsse, alldieweil die Bevölkerung Angst habe. Wobei er die Angst ja noch am Tag zuvor selbst öffentlich geschürt hatte, weil er argumentierte, dass man keine Sicherheitsprotokolle habe. Heute gab es dann noch mehrere Gespräche, und jede Zeitung hat einen Liveticker eingerichtet.
Und da kommen dann doch ganz spannende Sachen heraus. Die kanarische Regierung hat gar nichts zu entscheiden, da die Evakuierung der Passagiere und der Besatzung der MV Hondius von der WHO organisiert wird. Diese wird von medizinischem Fachpersonal, welches Madrid zur Verfügung stellt unterstützt werden. Außerdem ist der Hafen von Granadilla im Besitz der spanischen Regierung Die lokalen Gesundheitsbehörden sind gar nicht eingebunden, weil es gar nicht um eine Versorgung von infizierten geht, alle an Bord zeigen bislang keinerlei Symptome. Koordiniert wird also nur die Evakuierung, welche vom Schiff direkt in den entsprechenden Flieger erfolgen soll. Die Menschgen dürfen das Schiff auch erst verlassen, wenn der Evakuierungsflug vor Ort ist und werden vom Hafen zum Flugzeug gebracht. Kein Kontakt zu Menschen ohne Schutzausrüstung, kein Flanieren entlang der Hafenmole. Für die 14 Personen mit spanischer Staatsbürgerschaft wird derzeit eine Quarantäne im Militärhospital von Madrid vorbereitet. Derzeit ist geplant, dass das Schiff erstmal im Außenbereich des Hafens von Santa Cruz de Tenerife vor Anker gehen wird. Von dort aus will man dann Granadilla anlaufen. Der Kanarenpräsident gibt sich nun recht ruhig, und betont nun selbst seine fehlende Zuständigkeit, obwohl er sich noch öffentlich mächtig empört hatte, dass da jemand in seine Zuständigkeit reinquatschen würde. Allerdings sei man natürlich bereit im Notfall medizinisch einzugreifen, was ja klar sei, bei den ganzen humanitären Grundsätzen die man so hat. Das Resultat der letzten zwei Tage Empörung wird aber noch lange anhalten. In der Schule fabulieren die 10-jährigen vom drohenden Virus, der uns alle umbringen wird. Man hasst Madrid von ganzen herzen und fühlt sich hintergangen und bedroht. Schließlich scheint es denen egal zu sein, wenn wir alle sterben, so die Theorie. Die ganze Geschichte hat dazu gedient, dass wieder einmal das Ekelhafteste im Menschen rausgekehrt wurde. Vom Schiffeversenken wurde da fabuliert, und man hat den Kolonialherren in Madrid den Tod gewünscht. Die aus Madrid sind nun auch ein wenig angepisst, ob der Stimmungsmache seitens der kanarischen Regierung. Zumindest hat Clavijo nun eingeräumt, dass die ganze Geschichte nicht in seinem Zuständigkeitsbereich fallen würde. Die WHO und die spanische Regierung versuchen gerade verzweifelt der Bevölkerung mitzuteilen, dass von dem Anlanden des Schiffes auf den Kanaren keine Gefahr ausgehen würde, was die entsprechenden Wissenschaftler auch bestätigen. Aber das will nun keiner hören, und der Clavijo sagt auch nicht laut, dass eigentlich alles in Ordnung sei. Dabei wäre genau das nun seine Zuständigkeit. Ein Schelm wer denkt, dass die Empörung für ihn einen politischen Nutzen haben könnte.
Ich gehe nun nochmal Klopapier kaufen. Nicht dass ich Angst hätte. Aber wenn alle anderen Angst haben, dann gibt es bald keines mehr.