Zerdeppertes Geschirr

Das Schiff ist weg. Bislang, und das hat die WHO ja versichert, ist auch nichts passiert. Generalstabsmäßig hart man die Menschen in Buse verladen, alle in Schutzkleidung und direkt zum Flughafen gebracht.  Nach 2 Tagen war der Spuk vorbei, es gab keinen Kontakt zur lokalen Bevölkerung, und die WHO, die EU und der ganze Rest, dankt Spanien für die Abwicklung der Geschichte. Schaden hat es aber dennoch gegeben:

Das politische Klima zwischen den Kanaren und der Regierung in Madrid ist nachhaltig vergiftet. Schaut man sich die nationale Presse an, und auch einen guten Teil der Regionalpresse, liegt die Schuld daran vor allem an der Regionalregierung, die bis zum Ende der Evakuierung versucht haben Stimmung gegen Madrid zu machen, und eine Gefährdung der lokalen Bevölkerung heraufbeschwören haben. Mittlerweile ist man hier auf den Inseln auch etwas leiser geworden, auch weil sich unser Kanarenpräsident Clavijo nachhaltig zum Horst gemacht hat, in seiner gar teilweise abenteuerlichen Argumentation. Selbst die eher konservative Presse, wie Cadena SER, die nun wirklich nicht in verdacht steht, die sozialistische Regierung in Madrid zu unterstützen, hat bestätigt, dass es bereits 18 Kontaktaufnahmen mit Clavijo und der kanarischen Regierung gegeben habe, als dieser empört vor die Presse trat und behauptet hat, dass man ihn nicht informiert habe, dass die MV Hondius nach Teneriffa kommen würde, und damit diese Aussage schlichtweg gelogen gewesen sei. Im Anschluss gab es mindestens 3 Treffen pro Tag vor Ort, mit Mitgliedern der WHO, der spanischen Regierung und der Kanarischen Regierung. Auch während dieser Zeit kam immer wieder der Vorwurf, dass es Tage vor Ankunft noch kein Sicherheitsprotokoll gegeben habe, dabei ist eben dieses bei den Treffen gemeinsam erarbeitet worden. Später versuchte Clavijo dann noch anzuordnen, dass das Schiff nicht in den Hafen einlaufen dürfe, allerdings wurde diese Entscheidung, von Madrid kassiert. Der Hafen von Granadilla gehört dem spanischen Staat, und auch die Hafenbehörde von Santa Cruz de Tenerife darf keine Befehle der Regionalregierung annehmen, weil dieser da gar keine Befugnisse hat. Natürlich weiß Clavijo das genau, aber da wurde eben Politik gemacht. Später versuchte er dann zu argumentieren, dass ja Ratten bis zu 3 Kilometer schwimmen könnten, und es ginge ja nur um den Schutz der Bevölkerung. Der Andenstamm wird aber nun mal nicht von Ratten, sondern von anderen Nagern, die nicht schwimmen, übertragen, und es stellte sich nicht heraus, dass die Argumentation, dass Ratten eben schwimmen können, aus der KI generiert wurde, und mit jeglicher Wissenschaft nichts zu tun hatte. Sämtliche Wissenschaftler, die sich zum Thema geäußert haben, haben der Argumentation der kanarischen Regierung widersprochen. Und auch wenn es in den ersten Tagen in der Bevölkerung zu heller Aufregung kam, hat sich das dann auch zumindest teilweise wieder gelegt. Zu den Demonstrationen waren gerade mal eine Handvoll Leute da. Mittlerweile schütteln immer mehr Menschen den Kopf darüber, was hier passiert. Dabei gab es auch seitens der Politik dann beachtliche Stellungsnahmen, die auch durchaus die Runde gemacht haben. Man müsse derzeit mehr Angst vor einer gesellschaftlichen Entwicklung und der Spaltung haben, die da in trumpscher Manier angerichtet wurde, als vor dem Virus.

Ziel der ganzen Aktion war ja, und das sehen alle Analysten in der Presse, die Position der Canarios gegenüber Madrid zu stärken. Oft fühlt man sich da vernachlässigt, und hält sich eben nicht für vollwertige Spanier. Also wird die kanarische Nation hochgehalten, und man verbietet sich schlichtweg, dass Madrid hier etwas entscheidet, ohne dass wir da unser OK geben. Der Populismus, wegen der eigenen Identität klappt hier ganz prima, und genau damit werden hier auch Wahlen gewonnen. Man sagt einfach immer, dass die in Madrid sich nicht für uns interessieren würden, steckt aber die Kohle die von dort kommt, gerne ein. Und weil eben diese unterkomplexe Haltung mit den eigenen Komplexen hier prima verfängt, hat man sich nun eben entsprechend verrannt. Es ging nicht um eine Gesundheitsgefährdung. Die Politiker hier sind ja nicht doof. Die können auch mit den Gesundheitsexperten reden, die ihnen die nötigen Informationen geben. Und letztlich hat man, die Sicherheitsvorkehrungen sogar strenger gehandhabt, als es das Protokoll für den Normalfall vorgibt, auch um die aufgehetzte Bevölkerung zu beruhigen. Sogar der Chef der WHO hat sich genötigt gefühlt, einen Brief an die Bevölkerung zu schreiben. Er beginnt damit, dass dies normalerweise nicht geschieht, er aber aufgrund der Reaktionen, die es hier gab, die Notwendigkeit sehen würde.

Auf nationaler Ebene und in anderen Regionen, ist man auch nicht sonderlich erfreut, ob des unsolidarischen Verhaltes der Canarios. Und da stellt nun schon mancher Spanier die Frage, warum man überhaupt Geld dorthin überweist, wenn die sich auf den Inseln so gebärden. Andere schlagen sogar vor, die Kanaren als Urlaubsdestination zu meiden. Es könne schließlich nicht sein, dass man den Hafen nur für devisenbringende Touristen öffne, wenn es aber Solidarität gehe, schließlich waren auch 14 Spanier an Bord, dann möchte man kein Schiff sehen. Mittlerweile ist man hier auch etwas kleinlauter geworden und auch in den eigenen Reihen rumpelt es in der CC etwas. Die Inselpräsidenten von Teneriffa Rosa Davilia erzählte der Presse, dass man seitens der Regionalregierung jeglichen Kontakt und alle Zusammenarbeit mit der Regierung in Madrid eingestellt habe. Der Sprecher der kanarischen Regierung hat diese Aussage aber sofort wieder eingefangen und versucht da Dampf raus zu nehmen. Aber auch in Madrid scheint man nun ziemlich angenervt zu sein. Pedro Sanchez erklärte heute, bei einem weiteren Treffen mit der WHO, dass die Welt weniger Angst und weniger Egoismus benötigen würde. Stattdessen sei mehr Solidarität gefragt. Und natürlich ist klar, wem diese Aussage gilt.

Der letzte Strohhalm, nach dem die Gegner der Aktion gerade argumentativ greifen, ist die Tatsache, dass es unter den Evakuierten nun eben doch positive Fälle gegeben habe. Deshalb seien ja die Befürchtungen gerechtfertigt. Allerdings strotz diese Argumentationslinie eben auch wieder nur vor Egoismus. Mit weiteren positiven Fällen an Bord, wäre die Gesundheit der anderen Passagiere ja weiterhin gefährdet gewesen, weil man auf dem Kahn eben nicht die optimalen Isolationsmaßnahmen treffen kann, die notwendig sind. Auch die Tatsache, dass sich der Gesundheitszustand einer Frau nun im Evakuierungsflug massiv verschlechtert habe, sagt nichts anderes aus, dass die Evakuierung notwendig war, damit diese Person angemessen versorgt werden kann. Weitere Tage an Bord sind da sicher gefährlicher.

Neben der politischen Situation, es ist extrem schlechte Stimmung zwischen Madrid und den Kanaren, was uns hier sicher eher nicht zum Vorteil gereichen wird, haben sich aber auch in der Bevölkerung Gräben aufgetan. Das Schiff hat Schäden hinterlassen. Oder eben diejenigen, die versucht haben, mit der Geschichte ein populistisches Süppchen zu kochen.