Auf die Nebensätze achten

Die Vulkangeschichte treibt uns immer noch um. Nicht nur, was den Verlust von Infrastruktur und Eigentum angeht. Wir wissen auch noch nicht so richtig, was wir mit dieser riesigen schwarzen Fläche machen sollen. Inhaltlich stimmt das ja, auch wenn es böse klinkt, der Ausbruch war letztendlich eine gigantische Renaturierungsmaßnahme. Und nun stehen wir da, und wissen nicht so recht, was damit anfangen. Klar ist, dass der komplette „Mittelteil“ im Prinzip freigegeben wurde und ist. Da darf man also was drauf bauen, sofern es geht, und streckenweise passiert das ja auch schon an den Rändern. Die Wissenschaftler und Naturschützer hätten gerne viel mehr geschützt, als nur einen Teil um den Krater und die beiden neuen Landflächen, die durch die Lava an der Küste entstanden sind. Am allerliebsten sollte alles Naturschutzgebiet werden. Was aber freilich nicht sein kann, schließlich gehört das Land ja jemandem und manch einer will, wenn auch nicht jetzt, irgendwann wieder etwas da anfangen. Sei es Landwirtschaft, oder eine Hütte drauf bauen. Der Plan wie das mit der anstehenden offiziellen Erweiterung des „Naturschutzgebietes Cumbre Vieja“ aussehen soll, den gibt es schon lange. Allerdings ist das noch lange nicht in Gesetze gegossen. Zu unterschiedlich sind da die Interessen, die alle irgendwie befriedigt werden wollen. Für die Landbesitzer ist das auch nicht einfach. Schließlich stellt sich die Frage, ob man da nun drauf bauen kann, oder nicht, und wenn die Regierung ehemaliges Bauland nun zum Naturschutzgebiet umwandelt, werde ich dann entschädigt oder nicht. Das sind Fragen, die die Leute umtreiben, und deshalb wäre es schon ganz gut, wenn man mit der Regelung nun endlich mal fertig werden würde.

Deshalb hat die Opposition mal wieder angefragt, und man bekam auch eine Antwort. Man sei zeitlich gut dabei, aber man wisse um die Dringlichkeit. Da man die Geschichte aber am Ende so machen möchte, dass die betroffenen eine Rechtssicherheit hätten, sei es nun einmal notwendig da sehr sorgfältig zu arbeiten., so hieß es von Seiten des Ministers für Raumordnung der kanarischen Inseln, Manuel Miranda. Man habe für die bisherige Planung 51 Einsprüche erhalten, die nun alle einzeln abgearbeitet und beantwortet werden müssten. Man gebe sich dabei mühe das zeitnah zu machen, möchte aber dabei sorgfältig und fair arbeiten. Ziel sei es bis zum Jahresende die Geschichte in ein Gesetz zur Raumordnung gegossen zu haben. Dieses zeitliche Ziel bezeichnete der Minister aber selbst als ambitioniert, und man könne es nicht versprechen, dass es wirklich so komme. Bei der ganzen Geschichte sind dann eben auch noch so Sachen wie Entschädigungszahlungen dabei. Hier muss freilich auch verhandelt werden, und man gäbe sich größte Mühe bei der Nummer fair zu sein.

Die Opposition, in Gestalt der Abgeordneten Alicia Vanoostende (PSOE), bohrte da aber weiter nach, und fragte dann auch gleich mal, wie denn das mit der sich im Bau befindlichen LP2 verhalten würde. Schließlich geht die ja mitten durch das zu schützende Gebiet. Es sei ja schwierig den Menschen zu erklären, warum man eine Straße durch das Naturschutzgebiet bauen dürfe, aber keinen Acker anlegen, weil die Lava nicht angetastet werden darf. Und da viel, so wird der Minister in der Zeitung „elperiodicodelapalma.es“ zitiert, ein Satz der schon mal wieder aufhorchen lässt. Seines Wissens lief die Genehmigung für den Straßenbau unabhängig, aber mit Absprache, den zuständigen Stellen, und habe mit der Raumordnung nicht wirklich etwas zu tun. Die spannende Einschränkung war nun aber, dass er da nun Zweifel daran habe. Und das ist dann doch ganz spannend. Natürlich brauchen wir die LP2. Niemand stellt diese Notwendigkeit in Absprache. Aber es wurde immer erzählt, dass das ganz einfach sei, man müsse, wenn man wolle einfach los bauen. Andere hatten da aber rechtliche und auch technische Bedenken. Noch vor kurzem teilte der kanarische Minister für Straßenbau mit, dass er sich sicher sei, dass man mit dem Bauprojekt auf der rechtlich sicheren Seite sei. Wenn man sowas unaufgefordert in die Öffentlkichkeit trägt, dann beinhaltet das meist, dass es zumindest andere gibt, die da Zweifel haben. Nun sagt der Ministerkollege auch noch sowas in die Richtung. Gut die Straße wird gebaut, und ob da nun noch was nachkommt, rein juristisch, das muss man abwarten. Die Pipeline, die über das neue Lavadelta führt, damit die Bananen im Süden zügig wieder ans Wasser angeschlossen wurden, die hatte am ende auch noch ein juristisches Nachspiel. Die Strafe die da bezahlt wurde, hat das Projekt dann teuer gemacht. Vielleicht werden die Baukosten für die LP 2 am Ende dann eben doch noch höher als erwartet sein. Aber dann ist das auch egal. Die Straße ist ja dann da.

Mitten durch die gelb eingefärbte Zone geht die Straße.