Muss man da nun Angst haben?

Die Onlinezeitung El Time veröffentlichte am Freitag einen Bericht, nachdem es in Tajuya, nahe an der Lava, zu erhöhten Radonwerten gekommen sei. Die Messungen wurden von der Universität La Laguna festgestellt, und überschreiten den Referenzwert von 300 Bq/m³ teilweide gewaltig. 397 Bq/m³ war der Schnitt und der Höchstwert lag sogar bei 4300 Bq/m³. Daraus ergibt sich dann die Frage, was das bedeutet. Schließlich wohnen wir selber in Tajuya und das zeug ist ja nicht grade gesund. Radon sind radioktive Partikel, die für die Lunge schädlich sein könnten. Ansonsten muss man sich da überhaupt keine Sorgen machen, aber man geht davon aus, dass eine erhöhte Radonkonzentration das Risiko von Lungenkrebs erhöhen kann.

Alldieweil das nu erstmal komisch klingt, hat El Time dann mal bei der Universität nachgefragt. Und die haben dann auch gleich mal ein wenig die aufkommende Panik ausgebremst. Die Messwerte stammen allesamt aus einem Haus. Und das ist nicht irgendeine Bude, es befinden sich um und unter dem Haus Verwerfungen, also Risse im Boden, welche dafür sorgen, dass das Radon leichter aufsteigen kann. Die Schwankungen erklärt man sich dann mit der Tatsache, dass eben in einem geschlossenen Raum gemessen wurde und dass die Lüftung da eine große Rolle spielen könnte. Das würde, wenn man die Geschichte zu Ende denkt, dann auch die großen Schwankungen erklären. Der Mittelwert. Liegt ja bei knapp 400 Bq/m³ obwohl es Messungen gibt mit über 4.000 Bq/m³ gibt. Folglich müssten die anderen Werte, oder zumindest ein großer Teil, auch unter dem Referenzwert liegen. María Candelaria Martín Luis, PhD, Professorin am Institut für Tierbiologie, Bodenkunde und Geologie der Universität La Laguna wird wie folgt zitiert: „Einige dieser Verwerfungen betreffen die Gebäudestruktur. Daher ist es möglich, dass tief unter der Erde entstehendes Radongas aufsteigt und durch diese Verwerfungen in das Gebäude gelangt“.

Wichtig zu wissen ist auch, dass an der frischen Luft keine solche Konzentrationen gemessen werden. Und noch wichtiger bei der ganzen Sache sind die Begrifflichkeiten, welche man zum einen verstehen muss, bzw. dann auch noch erklären sollte. Die Rede ist von einem Referenzwert, der eben bei 300 Bq/m³ liegt und nicht von einem Grenzwert. Der Referenzwert legt fest, was als „normal“ gilt, in Spanien wäre das der Fall, wenn 90% unterhalb dieses Wertes liegen., was eben auch beinhaltet, dass 10% darüber sind. Und wenn man dann im Netz ein weinig stöbert, dann findet man sogar ganz spannende Geschichten dazu. Zwar ist die Karte von des Consejo de Seguridad Nuclear (CSN) von 2017 und damit noch aus vorvulkanischer Zeit, aber dann doch ganz aufschlussreich. Während ganz La Palma und auch alle anderen kleinen Inseln um die Haupinseln rum grün eingefärbt sind und einen Wert von unter 100 Bq/m³ aufweisen, sind die Werte auf Teneriffa und Gran Canaria nicht so niedrig, sondern haben teilweise mit orange das höchste Nivel, welches überhaupt eingezeichnet ist. Das bedeutet dann einen Wert von über 400 Bq/m³. jetzt würde aber niemand sagen, dass es deswegen auf den Nachbarinseln ein signifikant erhöhtes Lungenkrebsrisiko gibt. Da ganz einfach, weil es nicht um einen Grenzwert, sondern um einen Referenzwert geht, der ausschließlich aussagt, dass 90 % darunter liegen.