Hoher Besuch und buckelige Verwandtschaft

Wir haben in der nächsten Woche einen veritablen Staatsbesuch auf den Kanaren, welcher katholisch veranlagte Menschen in eine gewisse Aufregung versetzt. Der Papst gibt sich die Ehre. Am 11.6. auf Gran Canaria und am 12.6. auf Teneriffa. Alldieweil das nicht nur der erste Besuch von „Papa León“ (so heißt der Mann im spanischsprachigen Raum) bei uns ist, sondern der erste Papstbesuch auf den Kanaren überhaupt ist, ist die Erwartungshaltung gigantisch. Auf den Nachbarinseln wird richtig was geboten sein, und unzählige Palmeros machen sich auch auf den Weg um einen Blick vom oder eben auf den Pontifex zu erhaschen. Seit Wochen ist das immer wieder Thema in er Presse. Mittlerweil wird die Sache3 auch etwas konkreter, was die Abläufe anbelangt. Und es wird tatsächlich zu päpstlichen Einschränkungen, vor allem im Straßenverkehr kommen. Autobahnen dicht, andere Hauptstraßen auch. Und das natürlich in beide Richtungen, wegen der Sicherheit. Man warnt bereits vor einem Chaos, und selbst das auswärtige Amt weißt deutsche Kanarenurlauber auf etwaige Einschränkungen, wegen des hohen Besuches hin. In den betroffenen Gebieten bleiben am jeweiligen Tag sogar die Schulen geschlossen. Offiziell, damit der Jungkatholik einen Blick auf den Papst werfen kann. Man munkelt aber, dass aufgrund des erwarteten Verkehrschaos, welches da erwartet wird, niemand pünktlich irgendwo hinkommen kann. Das ist aber nicht schlimm. Gefühlt läuft den Schulen eh nichts mehr und die Kids sind innerlich bereits in den Sommerferien.

Lange hat man hier auf La Palma gehofft, dass man den Papa Leon auch zu uns auf die Insel locken könnte. Vulkan und soziale Folgen waren da im Werbetext für uns enthalten, aber da wurde nichts draus. Das ist auch erstmal ok so, schließlich ist das ja der erste Papstbesuch auf den Kanaren, und man möchte ihn und uns vielleicht auch nicht überfordern. Deshalb reichen die beiden Hauptinseln ja erstmal aus.

Allerdings gibt es zum Thema Papa Leon und La Palma Neuigkeiten. Die Ahnenforschung ist am Werk, und sie behauptet sogar etwas entdeckt zu haben. Die „Sociedad de Estudios Genealógicos y Heráldicos de Canarias“ ist fündig geworden und verordnen Vorfahren von Papa Leona auf den Kanaren. Genauer gesagt auf La Palma. Das geht aber weit zurück, nämlich ins 16. Und 17. Jahrhundert. María Carrillo de Alburnoz Santana, Sekretärin der Sociedad erklärte gegenüber der Presse, dass nach der Ernennung des Papstes erste Hinweise auf Kanarische Vorfahren, die in die sogenannte neue Welt ausgewandert sind, auftauchten. Im Rahmen dessen wurden dann, laut der Forscherin auch Namen genannt. Mehrfach wurde das Ehepaar Juan González Vázquez und Clara González de Silva ausfindig gemacht, die für die Konstruktion des päpstlichen Stammbaumes von Bedeutung seien. Diese beiden wurden dann mit Teneriffa oder La Palma in Verbindung gebracht. Im Laufe der Nachforschungen habe man dann im Taufregister der Kirche San Salvador in Santa Cruz die Taufurkunde von eben diesem Herrn Juan González Vázquez aus dem Jahr 1619 entdeckt. Weitere Nachforschungen hätten außerdem ergeben, dass es sich dabei um eine Fischerfamilie gehandelt haben soll, von der Teile später nach Cuba ausgewandert sein sollen. González Vázquez taucht später in Dokumenten als angesehener Bürger Havannas auf.

Auf diese Meldung wird nun freilich reagiert. Gerne auch mit Satire, Bilder mit dem Papst, wie er Coronabier trinkt, mit einem Teller mit Papas y Mojo in der Hand, oder einem Papamobil, kanarisch geschmückt, und von Ochsen gezogen. Die Forscher wurden nun gefragt, ob man plane Papa Leon zu sagen, dass er eigentlich Canario oder vielmehr Palmero sei. María Santana ist der Ansicht, dass das schon „interessant“ wäre dem Mann das bei seinem Besuch zu unterbreiten, dann hätte der auch die Möglichkeit fragen zu stellen.

Die Frage ist nun aber, ob man das will. Am Ende entschließt er sich dann vielleicht doch noch, kurzfristig hier reinzuschneien, und die Verwandtschaft zu besuchen. Mann kennt das ja. Es ist Wochenende und es klingelt an der Tür. Draußen steht dann dieser eine Onkel, den man seit vielen Jahren nicht gesehen hat, der sich dann selbst auf einen Kaffee ins Wohnzimmer einlädt.  Man hat sich nicht viel zu sagen und ein vernünftiges Gespräch bekommt man nicht zu Stande, und irgendwie ist man dann froh, wenn der wieder geht. So ein Besuch will ja vorbereitet sein, damit man sich auf Gesprächsthemen einstellen kann. Und vielleicht geht der dann nicht gleich, sondern bleibt über Nacht. Und am Ende, gefällt es ihm dann hier noch. So schön ruhig, wie man hier leben kann. Und er ernennt sich dann selber zum Erzbischof von Garafia und die Schweizer Garde marschiert hier ein. Am Ende pilgern hier plötzlich unzählige Menschen auf und über die Insel, und mit der Ruhe ist es vorbei.

Ist das nun gesponnen? Nicht wirklich. Sauber analysiert, sind die Vorfahren von Papa Leon nach Cuba gegangen und haben es dort („angesehener Bürger Havannas“) zu was gebracht. Und diese erfolgreichen Leutchen kamen dann in der Vergangenheit auch ganz gerne auf die Insel zurück. Genau das feiern wir ja jedes Jahr ausgiebig bei Los Indianos. Schaut man sich dann noch die weißen Klamotten von Papa Leon an, dann schließt sich der Keis. Man sollte schon mal Babypuder kaufen, nur zur Vorsicht.