Jetzt erst recht

Gestern ging durch die Presse, dass die Gemeinde Tazacorte mit einem VW-Bus durch die Straßen der Gemeinde und über die ganze Insel fährt um Durchsagen zu machen. Beworben wird der Pride-Tag in Tazacorte am nächsten Samstag. Das hat dort schon eine lange Tradition. Einmal im Jahr wird da, im Zeichen der regenbogenflagge, Vielfalt und Respekt gefeiert. Um 18 Uhr beginnt die Veranstaltung auf der Plaza del Morro. Es gibt einen Umzug, Konzerte und Aufführungen. Diese Pride-Veranstaltung wird vom LGBTQ+-Kollektiv Violetas ermöglicht und von Sodepal gesponsert. Unterstützt wird sie vom Stadtrat von Tazacorte, dem Inserat von La Palma und zahlreichen lokalen Unternehmen. Die Gemeinde und die ganze Inselregierung gehen bei der Sache voll mit, sind entsprechend engagiert, und wollen allen zeigen, dass man fest an der Seite der Queeren-Community steht und sich als offen und progressive Gemeinde und Insel versteht. Das mit dem VW- Bus ist nun ein besonderer Werbegag. Geschmückt mit Regenbogenfahnen und mit Lausprecher ausgestattet, kommt eine Durchsage, die erstmal eine gewisse Normalität hat. Jeder kennt die Fischverkäufer die anpreisen was Sie im Transporter feilbieten. Die Aufnahme die da runtergedudelt wird beginnt mit den Worten: “Hay caballas, chicharros y palometas” fährt dann aber fort mit “Y maricones, y bolleras, y no binarias.“ Übersetzt soviel wie … „Schwule, Lesben und non binäre.“ Im Anschluss wird dann auf die Veranstaltung am Samstag hingewiesen.

Die ganze Aktion ist lustig und originell, und dass die Gemeinde da noch das Fahrzeug bereitstellt, ist an anderen Orten vielleicht so nicht denkbar. Klar unser Selbstverständnis in Spanien ist eine gewissen Progressivität. Manchmal ist man versucht zu glauben, dass wir als Gesellschaft manches schon erreicht haben, aber dem ist nicht so. Der gestrigen Meldung über das Werbefahrzeug, folgte heute dann die nächste.  Heute Morgen waren die Regenbogenflaggen heruntergerissen und ein der Außenspiegel wurde abgeschlagen. Die Reaktion von Inselregierung und Gemeinde waren entsprechend und man verurteilt dies aufs Schärfste.  Das LGBTQ+-Kollektiv Violetas stellt gegenüber der Presse klar, dass es sich hierbei nicht um Sachbeschädigung handeln würde, sondern dass man das als gezielten Angriff auf die Queere Gemeinschaft auffassen müsse. Gleichzeitig nutzt man nun die Aufmerksamkeit, dafür eine Jetzt-Erst-Rechtstimmung zu erzeugen und zur Veranstaltung aufzurufen. Vielleicht gibt es ja auch tatsächlich einen entsprechenden Effekt. Trotz der Feierei bleibt die Veranstaltung in erster Linie politisch. Und dass das nötig ist, sich klar zu positionieren, hat der Vorfall ja gezeigt.