„Blau“ ist das Zauberwort

Wir müssen uns wirtschaftlich Diversifizieren. Einfach ist das aber nicht. Der Primärsektor, sprich die Landwirtschaft dümpelt analog zum Bananenpreis vor sich hin und hängt Subventionstropf der EU. Wenn die den irgendwann mal zudrehen sollten, dann gehen die Lichter ganz schnell aus. Dann haben wir noch den Tourismus, der tatsächlich Einnahmen und Auskommen generiert, aber da Wachstumspotential da ist beschränkt, und von einem gewaltigen Teil der Bevölkerung auch gar nicht gewünscht. Industrie klappt auch nicht wirklich, alldieweil der Transport der Güter zu etwaigen Absatzmärkten schlicht zu teuer ist. Deshalb hat man auf La Palma schon lange die Idee, auf die Wissenschaft und Forschung zu setzten. Die Observatorien sind da, und wir träumen vom TMT. Aber auch in anderen Bereichen würden wir ganz gerne Mitmachen. Das nationale Vulkanforschungszentrum ist versprochen (mit Teneriffa) geteilt, aber das zieht sich gerade und man träumt auch von einem Unicampus als Außenstelle der Universität von La Laguna. Das ist aber noch alles Zukunftsmusik. Allerdings haben wir nun doch wieder einen Schritt weiter in Richtung Wissenschafts- und Forschungsstandort gemacht. In Puerto de Tazacorte wurde gestern im Gebäude der alten Grundschule das Rogelio-Herrera-Observatorium für marine Biodiversität und Blaue Wirtschaft eröffnet. Freilich im Beisein der entsprechenden Politprominenz. So waren unter anderem Mariano Hernández Zapata, Minister für ökologischen Wandel und Energie der Regierung der Kanarischen Inseln und Migdalia Machín Tavío, Ministerin für Universitäten, Wissenschaft und Innovation sowie Kultur zugegen. Zapata betonte, dass das Forschungszentrum ein klares Bekenntnis zum „zukunftsorientierten Wideraufbau“ nach der Vulkangeschichte sei, und seine Ministerkollegin meinte, dass dieses Innovationszentrum die Position von Tazacorte als Standort für Biodiversität, Biotechnologie und alles, was mit dem Meer zu tun habe, stärken würde. Die beiden Ministerien fördern die Einrichtung mit 1,7 Millionen Euro, wobei alleine die wissenschaftliche Ausrüstung mit knapp 1,5 Millionen ins Kontor schlägt. Koordiniert wird die Einrichtung von der Ozeanischen Plattform der Kanarischen Inseln (PLOCAN).

Der momentane wissenschaftliche Schwerpunkt soll darin liegen, zu erforschen, wie sich das maritime Leben nach dem Vulkan verändert hat, und wie es das weiter tut. Allerdings soll es auch generell um den Schutz der Biodiversität gehen, und, da wird die Wirtschaft dann eben entsprechend blau, auch Forschungsansätze zur Biotechnologie und erneuerbaren Meeresenergien zu eröffnen. David Ruiz der Bürgermeister der Gemeinde Tazacorte, welche PLOCAN das Grundstück übertragen hat, spricht von einer großen Change für die Gemeinde. Und vielleicht werden wir alsbald alle unser blaues Wirtschaftswunder erleben.