Gestern Abend meldete sich die Inselregierung bei der Presse. Diese wiederum hat eine Information vom Kanarischen Institut für Astrophysik IAC erhalten. Das IAC hat nämlich Post bekommen, über die man sich nicht allzu dolle freuen kann. Das Schreiben stammt vom Konsortium, welches hinter der 30 -Meter-Schüssel TMT steckt, welches man doch so gerne oben auf dem Roque de los Muchachos installiert gehabt hätte. Das größte Teleskop dieser Art in der nördlichen Hemisphäre sollte das sein. Viele Jahre hat man sich darum bemüht, obwohl die Verantwortlichen immer nach Hawaii wollten. Wir galten, so hat man zumindest immer wieder verlauten lassen, lediglich als Plan B. Da hinter dem internationalen Konsortium aber maßgeblich amerikanische Unis, unter anderem die Caltec stehen, waren die Chancen immer gering. Auch als die Ureinwohner in Hawaii rebelliert haben, weil der Berg da hochheilig ist, konnten wir höchstens träumen, dass das Ding, welches eine Milliardeninvestition, in Bau und Betrieb bedeutet, zu uns kommt. Besser wurden die Chancen dann mit dem Rumpelstilzchen im weißen Haus, das ein Meerschweinchen auf dem Kopf trägt. Wissenschaftsfeindlich wie der nun mal ist, hat der die Gelder zusammenstreichen lassen und das Projekt aus Eis gelegt. Man hat dann auf La Palma nochmal ganz laut „hier“ geschrien. Die Genehmigungen wurden in vorrauseilendem Gehorsam erteilt, Madrid hat sich um die Finanzierung gekümmert, und man hat den Propagandaapparat, für La Palma als Standort zum Sternegucken und der, EU als Standort der Wissenschaft angeschmissen. Aber das war nun am Ende nichts. „Abgelehnt“, so heißt es. Warum das so ist, lässt sich aus der derzeitigen Informationslage nicht wirklich erkennen. Und für das Dankeschön, für die Mühe die sich da alle Beteiligten gegeben hatten, das Dingens nach La Palma zu lotsen, kann man sich nun auch nicht wirklich was kaufen. Das ist nun also dumm gelaufen möchte man sagen. Die Idee La Palma als Wissenschaftsstandort auf der Weltkarte noch weiter zu etablieren, ist nämlich vielleicht nicht die schlechteste. Massentourismus wird hier nicht funktionieren, und das Wissen die verantwortlichen auch ganz genau. Zudem will die Bevölkerung das ja auch zum großen Teil gar nicht. Und mit der Landwirtschaft sieht das eben auch nicht so rosig aus, wenn man in die Zukunft schaut. Auf dem internationalen Markt gewinnen wir keinen Blumentopf mit unseren Produkten. Dafür sind die Produktionskosten und die Transportkosten einfach zu hoch.
Dann ist heute noch Jahrestag. Heute vor 5 Jahren hat der Arschbär an der Cumbre Vieja das große Kotzen angefangen. Im Vorfeld war das mit dem Jahrestag irgendwie gar kein Thema. Natürlich gab es dazu Artikel in der lokalen Presse, aber es war irgendwie nicht wirklich präsent. Gestern dann hat sich dann aber tatsächlich medienmäßig was getan. Mit Pavillon, Übertragungswägen, Parkverbot für normale Menschen und Kameradrohnen, fand man sich, am Vortag des Jubiläums am Kirchplatz von Tajuya ein. Im kanarischen Fernsehen liefen dann entsprechende Beiträge und Interviews und heute geht das sicher noch etwas weiter. Was aber zumindest wir nicht wahrgenommen haben, ist ein gesellschaftliches Innehalten. Der Alltag läuft ganz normal. Überall sind veranstalltungen. Das festivalito zeigt seine Filme, die saulauten Rallyeschüsseln knattern die ganze Nacht an unserm Haus und am Vulkan vorbei und heute Abend ist Fußball in El Paso gegen die Filiale von Atletico Madrid. Alles geht ganz normal, wie immer. Vielleicht liegt es auch daran, dass man die Geschichte und die damit einhergehenden materiellen und emotionalen Verluste, die der Feuerberg mit sich gebracht hat, stark individualisiert hat. Und damit ist dann vielleicht der Tag, an dem die Lava dann tatsächlich das eigene Haus gefressen hat, im persönlichen Gedenken entsprechend wichtiger.